Commentary

10 Gründe Israel und das jüdische Volk zu unterstützen

Ohne Zweifel wächst heutzutage die Unterstützung Israels durch die evangelikale Bewegung. Bisweilen fehlt das Verständnis für diese Unterstützung, besonders, weil die Kirche sich Jahrhunderte lang schwertat, die Juden zu verstehen, und sogar militanten Antisemitismus gegenüber dem auserwählten Volk zeigte und dazu anstiftete. Sie lehrte, dass Gott mit den Juden abgeschlossen hätte. Das hat sich allerdings stark geändert. Dennoch bleibt die Frage: Warum unterstützen wir heute Israel?

Foto: Unsplash, Israelfahne, Symbolbild

Ich lade Sie ein: Greifen Sie nach Ihrer Bibel und betrachten Sie mit mir 10 Gründe, warum alle, die an Jesus glauben, Gottes auserwähltes Volk, die Juden, unterstützen, segnen und an seiner Seite stehen sollten.

1.      Gott liebt Israel

Der Prophet Jeremia erläuterte: „Das Volk derer, die dem Schwert entronnen sind, hat Gnade gefunden in der Wüste … Der HERR ist mir von ferne erschienen: Ja, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Ich will dich wieder bauen, und du wirst gebaut sein, Jungfrau Israel! …“ (Jeremia 31,2-4) Nach einer Zeit des Gerichts („das Schwert“), ist Gott durch seine „ewige Liebe“ motiviert, Israel wiederherzustellen. Beachten wir, dass es eine ewige Liebe ist – anhaltend, unaufhörlich! Aus dieser Liebe heraus wurde Gottes Plan mit Israel geboren (5. Mose 7,7-8), und diese Liebe wird ihn auch herrlich vollenden (Römer 11,25-28).

Ich wurde einmal gefragt: „Wie kann Gott eine sündige Nation wie Israel lieben?“ Die Antwort ist einfach: Durch dieselbe bedingungslose Liebe, die er für die Kirche hat. In der Tat, „Christus ist für uns gestorben, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8) Dies ist ein einfacher Grundsatz für alle Christen: Wir sollen das lieben, was Jesus liebt. Wie groß ist Ihre Liebe für Israel? Bitten Sie Gott, Ihnen seine Liebe für das jüdische Volk zu schenken!

2.      Gott hält seinen Bund

Gott bekräftigte seine Verheißung, Israel das Land Kanaan zu geben, mit einem Bundesschwur. Im 1. Buch Mose lesen wir, dass Gott Abraham erschien und ihm ein Land und Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel verhieß. Abraham fragte: „Wie kann ich sicher sein, dass du dies wirklich tun wirst?“ Gott antwortete, indem er herabkam und wie eine brennende Fackel zwischen den ausgelegten Opfertieren hinfuhr, um das Landversprechen mit Abraham durch einen Bundesschwur zu besiegeln (1. Mose 15,17-18).

Es ist ein wesentlicher Charakterzug Gottes, dass er seine Bünde hält. Manche Christen behaupteten in der Vergangenheit, Gott habe seine Meinung bezüglich Israel geändert, es aufgegeben und einen neuen Bund mit der Kirche, dem „neuen Israel“, geschlossen. Doch das wären katastrophale Neuigkeiten für jeden Gläubigen in unserer Zeit. Müssen wir bei all unserer Sünde, Lauheit und mangelnder Hingabe fürchten, dass Gott seine Meinung auch uns gegenüber ändert? Nein, denn „sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2. Timotheus 2,13) Deshalb ist es die große Hoffnung sowohl Israels als auch der Gemeinde, dass Gott seine Bundesversprechen immer hält – ewiglich!

3.      Gott heiligt seinen Namen

Gewaltig beschreibt der Prophet Hesekiel, dass Gott das Land und Volk Israel in der Endzeit wiederherstellen wird. Als er sie aus den Nationen zurückkehren sieht und wie sie mit Gottes Geist erfüllt werden, benennt er klar den Grund, aus dem Gott dies tut: „Da tat es mir leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel entheiligte unter den Völkern, wohin sie auch kamen.“ (Hesekiel 36,21) Dann proklamiert er, dass Gott Israel wiederherstellen werde: „Ich tue es nicht um euretwillen …, sondern um meines heiligen Namens willenDenn ich will meinen großen Namen …, wieder heilig machen. Und die Völker sollen erfahren, dass ich der HERR bin, spricht Gott der HERR, wenn ich vor ihren Augen an euch zeige, dass ich heilig bin. Denn ich will euch aus den Völkern herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen.“ (Hesekiel 36,22-24)

Es ist erstaunlich, dass die Medien weltweit noch immer, 73 Jahre nach der Staatsgründung, so sehr mit Israel beschäftigt sind. Der Schweizer Theologe Karl Barth verkündete 1967: „Jetzt ist es in den Zeitungen zu lesen: Gott erfüllt seine Verheißungen.“ Hesekiel sagt es so: Gott heiligt seinen Namen vor aller Welt. Im Blick auf Israel kann die ganze Welt sehen, dass Gott noch immer lebendig ist und seine Versprechen hält! Wenn Sie im Vaterunser „geheiligt werde dein Name“ sprechen, beten Sie deshalb bitte auch für Israel und Gottes Treue zu Israel.

4.      Israel ist ein Schlüssel für Erweckung und zukünftigen Segen für die Kirche

Dem Apostel Paulus zufolge wird Israels vollständige Wiederherstellung einen nie dagewesenen Segen für die Kirche freisetzen. Im Römerbrief macht Paulus zwei erstaunliche Aussagen: „Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wie viel mehr ihre Vollzahl!“ (Römer 11,12) und „Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten!“ (Römer 11,15)

Paulus stellt es fast wie eine mathematische Formel dar. Beim Betrachten von Israels Fall oder Versagen und seiner Verwerfung sieht er dennoch, dass Segen freigesetzt wird als „Reichtum für die Nationen“ und „Versöhnung der Welt“. Dann betrachtet er Israels zukünftige Vollzahl und Annahme und sieht eine noch größere Freisetzung für die Welt voraus: „Leben aus den Toten“.

John Wesley kommentierte diese Verse folgendermaßen: „Es beziehen sich so viele Prophetien auf dieses große Ereignis, dass es verwunderlich ist, dass Christen es anzweifeln können. In seiner Vollendung wird es eine starke Demonstration sowohl der alttestamentlichen als auch der neutestamentlichen Offenbarung sein, die zweifellos viele überzeugen wird … Überfließendes Leben für die Welt, die tot war, wird freigesetzt werden.“

In Apostelgeschichte 3,20-21 sieht Petrus, dass durch ein geistlich wiederhergestelltes Israel „Zeiten der Erquickung kommen von dem Angesicht des Herrn“ und „Zeiten, in denen alles wiederhergestellt wird“, die schließlich die Wiederkehr Christi bringen. Israels Wiederherstellung ist der Schlüssel für die Ausgießung des Geistes, die Gott für die Kirche bereithält. Anders ausgedrückt: Wenn Sie sich nach Erweckung sehnen, beten Sie für Israel!

5.      Wir sind es den Juden schuldig

In seinem Brief an die Römer schrieb Paulus von seiner Zeit bei den Gemeinden in Mazedonien. Großzügig legten sie ein Liebesopfer für die „mittellosen Heiligen“ in Jerusalem zusammen. Es war eine so bedeutende Gabe, dass Paulus beschloss, sie persönlich nach Jerusalem zu bringen. Doch warum gaben sie so viel? Paulus erklärte: „Denn es hat Mazedonien und Achaja wohlgefallen, einen Beitrag zu leisten für die Bedürftigen unter den Heiligen, die in Jerusalem sind. Es hat ihnen nämlich wohlgefallen, auch sind sie ihre Schuldner. Denn wenn die Nationen ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden sind, so sind sie verpflichtet, ihnen auch in den leiblichen zu dienen.“ (Römer 15,26-27)

Die Gläubigen in Mazedonien hatten ein wichtiges Prinzip verstanden: Das Heil kam von den Juden und sie waren verpflichtet, ein Dankgeschenk zurückzugeben. Wir müssen uns daran erinnern, dass Jesus Jude war. Die Verfasser der Bibel waren alle Israeliten, und alles, was unseren Glauben heute ausmacht, auch das Opfer Jesu und die Ausgießung des Heiligen Geistes, fand in Israel durch Juden statt. Deshalb verkündete Jesus: „Das Heil kommt von den Juden!“ (Johannes 4,22) Haben Sie dem Volk Gottes jemals Ihre Dankbarkeit dafür gezeigt, dass es uns die Möglichkeit gibt, Gottes ewige Gnade zu empfangen? Ich ermutige Sie, dem mazedonischen Vorbild zu folgen und Israel Ihre Wertschätzung auszudrücken.

6.      Unsere Wurzeln liegen in Israel

Römer 11 birgt ein botanisches Wunder. Paulus spricht von einem veredelten Ölbaum und einem wilden Ölbaum. Letztere sind Büsche, die ungenießbare Früchte tragen. Dann beschreibt Paulus, dass Gott etwas tut, was kein Landwirt je machen würde. Er schneidet Zweige aus dem veredelten Ölbaum und pfropft stattdessen wilde Ölzweige ein. Normalerweise ist es genau andersherum: edle Zweige werden auf Wildbäume gepfropft. Doch Paulus verknüpft dieses merkwürdige botanische Experiment mit Israel und den nichtjüdischen Nationen. Die „wilden“, nichtjüdischen Nationen werden durch den Glauben an Jesus auf den edlen, jüdischen Ölbaum gepfropft und von dem reichhaltigen Saft genährt, der von ihren Propheten, Patriarchen und Königen kommt.

Deshalb trägt Paulus der nichtjüdischen Gemeinde in Rom auf „… bedenke wohl: nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Römer 11,18 - Menge) Wir dürfen nie vergessen, dass unsere geistlichen Wurzeln nicht in Rom, Genf oder der Azuza Street liegen, sondern in Jerusalem mit den hebräischen Propheten, jüdischen Aposteln, einem jüdischen Retter und einer Bibel, die von Juden geschrieben wurde (siehe auch Epheser 2,11-13). Lassen Sie uns unsere geistlichen Wurzeln ehren, wissend, dass Paulus ebenfalls verkündete: Die ursprünglichen, natürlichen, edlen Zweige werden eines Tages wieder in ihren eigenen Baum eingepfropft werden.

7.      Der richtige Zeitpunkt ist jetzt

Psalm 102 enthält eine der gewaltigsten prophetischen Botschaften der Bibel. Wenn ich die ersten elf Verse dieses „Gebets eines Elenden“ lese, sehe ich vor meinem inneren Auge die Krematorien von Auschwitz und die abgemagerten Körper aus Buchenwald. Es ist ein Aufschrei der Hilflosigkeit: Der Psalmist sieht sein Volk verdorren wie Gras. Doch plötzlich ändert sich der Ton dieses Psalms drastisch hin zu einer Wiederherstellung, die darin gipfelt, dass der Herr „Zion wieder baut“ und „erscheint in seiner Herrlichkeit“ (Psalm 102,17).

Vers 14 ist der Schlüsselvers, hier wird Gott unvermittelt aktiv: „Du wirst aufstehen, wirst dich Zions erbarmen. Denn es ist Zeit, ihn zu begnadigen, denn gekommen ist die bestimmte Zeit.“ (Psalm 102,14) Das hebräische Wort für „bestimmte Zeit“ ist mo’ed, das auch für Israels jährliche Feiertage verwendet wird. Sie sind die bestimmten oder festgesetzten Zeitpunkte des Herrn. Wir sollten sie als ewige Einträge in Gottes Terminkalender betrachten. Der Psalmist sieht hier, dass Gott einen Tag festgelegt hat, an dem die Wiederherstellung Israels kommt. Man braucht kein Prophetie-Experte sein, um zu erkennen, dass dieser festgesetzte Tag gekommen ist. Bereits seit 100 Jahren ist Gott dabei, Zion wiederherzustellen. Gott hat sich erhoben, um Zion seine Barmherzigkeit zu zeigen. Deshalb ist es auch für uns an der Zeit, aufzustehen und uns dem anzuschließen, was Gott tut!

8.      Gott hat seinen Umgang mit Israel geändert

Dieser Grund klingt zunächst fast ketzerisch. Wir glauben doch, dass Gott sich nie ändert, oder? Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Doch schon Jahrhunderte vor Christi Geburt kündigte der Herr an, dass er eines Tages die Art seines Umgangs mit Israel ändern werde. Am besten drückt dies der Prophet Sacharja aus: „Aber nun will ich nicht wie in den vorigen Tagen verfahren mit dem Rest dieses Volkes, spricht der HERR Zebaoth, … Gleichwie ich euch zu plagen gedachte, als mich eure Väter erzürnten, spricht der HERR Zebaoth, und es mich nicht gereute, so gedenke ich nun wiederum in diesen Tagen, wohlzutun Jerusalem und dem Hause Juda.“ (Sacharja 8,11-15)

Diese Verse beschreiben eine völlige Umkehr in Gottes Beziehung mit Israel. Es ist ein radikaler Wechsel von Rückwärtsgang auf Schnellvorlauf. In früheren Jahrhunderten mag es schwierig gewesen sein, Gottes andauernde Treue gegenüber Israel zu erkennen. Angesichts eines zerstreuten und unterdrückten Volkes waren viele Theologen versucht, dies als ewigen Zustand des Gerichts über die Juden zu deuten. Doch Gott hat sie nie aufgegeben. Heute haben wir keine Entschuldigung, wenn es sogar in den Zeitungen steht, dass Zion wiederhergestellt wird! Wenn Gott sein Vorgehen gegenüber Israel geändert hat, wird er auch Ihnen helfen, aufzustehen und sein Volk zu segnen.

9.      Die Juden sind Jesus‘ Familie

Vielleicht der einfachste, aber auch der stärkste Grund: Jesus ist Jude! Paulus drückt es folgendermaßen aus: „… denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Gott, der da ist über allem, sei gelobt in Ewigkeit.“ (Römer 9,5)

Vor Jahren sprach ich in einer Kirche in Bayern darüber. Nach dem Gottesdienst kam ein Bruder zu mir und sagte: „Ja, es stimmt, Jesus wurde von einer jüdischen Mutter geboren. Aber du vergisst, dass Jesus einen verherrlichten Leib erhielt, als er von den Toten auferstand. Er ist kein Jude mehr, sondern der universelle Bruder der ganzen Menschheit.“ Das klingt beeindruckend – Jesus, der universelle Bruder der Menschheit. Aber in meiner Bibel, in der Offenbarung, lese ich, dass Jesus in seinem verherrlichten Körper noch immer der „Löwe aus dem Stamm Juda“ ist (Offenbarung 5,5). Und Jesus‘ letzte Worte in der Bibel, oft mit rotgedruckten Buchstaben hervorgehoben, lauten: „Ich, Jesus, … bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern.“ (Offenbarung 22,16) Selbst auf der allerletzten Seite des Neuen Testaments erinnert uns Jesus daran, dass sein Ur-, Ur-, Ur-… Urgroßvater ein jüdischer König aus Jerusalem ist. Dienen wir dem jüdischen Volk, dienen wir Jesus‘ irdischer Familie. Und ich glaube, dass er es bemerkt, wenn wir dies tun.

10.  Die Bibel fordert uns auf, Israel zu trösten

Letztlich und zugleich am wichtigsten sollen wir Israel segnen, weil Gott es uns aufträgt. Jesaja verkündet diesen göttlichen Aufruf: „Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.“ (Jesaja 40,1) – eindeutig kein Aufruf an das jüdische Volk, sonst müsste es sich selbst trösten. Vielmehr wird ein nichtjüdisches Volk aufgefordert, Israel beizustehen, es zu segnen, zu trösten, zu ermutigen. Es ist eine Anweisung für eine Zeit, in der Israels Heeresdienst beendet ist (Jesaja 40,2), eine festgesetzte Zeit, in der Gott Zion wiederherstellt. Jesaja 40 ist eindeutig kein Vorschlag und kein Diskussionspunkt, bei dem Gott uns nach unserer Meinung fragt. Gott selbst, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der die Sterne beim Namen nennt (Jesaja 40,26), sagt uns, dass wir uns aufmachen und mit Trost, Ermutigung und Liebe zu seinem Volk stehen sollen.

Aus genau diesen Gründen wurde die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) 1980 gegründet: Um Israel zu trösten und zur Seite zu stehen. Mit Gottes Hilfe werden wir auch in den kommenden Jahrzehnten damit fortfahren. Lassen Sie uns das gemeinsam tun!


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Eine neue Reformation

Manchmal führt Reformation zur Aufdeckung alter Wahrheiten und Glaubenslehren, die die ganze Zeit über in der Heiligen Schrift enthalten waren, aber nie Teil unserer geistlichen Tradition wurden. Heute benötigt die Kirche eine neue Welle der Reformation, und diese hat mit Israel zu tun.

Foto: Pixabay, Bibelstudium, Symbolbild

Reformation in der Bibel

Das Wort Gottes berichtet von verschiedenen Zeiten der Reformation in der Geschichte des Volkes Israel. Männer Gottes wurden die ganze Bibel hindurch von Gott gebraucht, um im Volk Gottes entscheidende Reformen zu bewirken. Immer wenn die Israeliten sich von Gott entfernten, wurden sie benötigt. In solchen Zeiten standen die geistlichen Führer des Volkes (Priester und Propheten) oft dem moralischen Verfall des Volkes Gottes gleichgültig gegenüber oder spielten darin sogar eine unterstützende Rolle.

Aber wenn die Reformer Gottes Willen im Volk wieder herstellten, veränderte das nicht nur sein Denken, sondern, was viel wichtiger ist, sein Herz und sein Verhalten. Die ganze Nation begann, Gott zu suchen (2. Chronik 15,12). In der Konsequenz begann Gott, sein Volk wieder zu segnen, und Israel erlebte Zeiten des Friedens, der Sicherheit und des Wohlstands. Reformation ist nicht nur eine Zeit individueller Umkehr. Sie hat immer Auswirkungen auf das ganze Volk Gottes. 

Reformation in der Kirchengeschichte

Die Kirche durchlief auch verschiedene Phasen der Reformation und entdeckte alte Wahrheiten neu. Eine davon war die Wiederentdeckung des Aufrufs zur Weltmission. Jahrhundertelang hatte die Kirche keine große Vision für die verlorenen und oft unzivilisierten Volksstämme der Welt. Das änderte sich, als Herrnhuter Brüder und Väter des Pietismus wie Philipp Jacob Spener und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf ihre Heimatländer verließen, um Missionare in weit entfernten Ländern zu werden. Sie wurden zu Reformern, indem sie der Kirche die Vision für Weltmission wiedereröffneten.

Ende des 18. Jahrhunderts gingen Missionare wie William Carey nach Indien, Hudson Taylor gründete die „China Inland-Mission” und David Livingstone trug das Christentum in das Herz von Afrika, das bis dahin noch auf keiner Landkarte verzeichnet war. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Weltmission ein fester Bestandteil der Kirche. Heutzutage kann man sich kaum eine örtliche Gemeinde ohne ein Missionsprogramm vorstellen.

Die protestantische Reformation

Ein großer Teil unseres westlichen Ethik-Kodexes und unserer Kultur basiert auf den reformatorischen Kräften, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert Europa beeinflussten. In noch größerem Ausmaß wirkten sie sich in der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika aus. Es ist schwer, den Einfluss Martin Luthers auf die Kirche zu unterschätzen. Es waren nicht nur seine theologischen Reformen, die das Christentum im Mittelalter auf spektakuläre Weise veränderten, viel maßgeblicher war die Tatsache, dass er den Gläubigen die Bibel in ihrer eigenen Muttersprache wieder zurück in ihre Hände gab. Die weitverbreitete Verfügbarkeit der Bibel sollte alles verändern.

Nichtsdestotrotz gab es einen Riss im Fundament der protestantischen Reformation. Viele Theologen lehrten, Gott habe die Juden aufgegeben, die nun als ein Volk unter einem Fluch stünden. Sie behaupteten beharrlich, die Kirche habe Israel abgelöst und dass es keine nationale Bestimmung für die Juden mehr gäbe. Jede andersartige Anschauung wurde brutal unterdrückt. Als Francis Kett 1589 als einer der ersten Geistlichen offen über die verheißene Wiederherstellung Israels schrieb, wurde er wegen seines Glaubens auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Neue Reformation: Hinwendung zu Israel

Heute sehe ich eine neue Welle der Reformation auf die Kirche zukommen, die mit Israel zu tun hat. Die urchristliche Erkenntnis von den beständigen Absichten Gottes mit Israel und unserer Verbindung zum jüdischen Volk müssen der breiten Masse der heutigen Christenheit wieder in Erinnerung gerufen werden. 1900 Jahre lang hat niemand gefragt: „Wie sollen wir mit der Rückkehr der Juden in ihr altes Heimatland umgehen?” Aber heutzutage muss diese Frage gestellt werden. Die kommenden Jahre werden sicherlich zu den spannendsten Zeiten der Kirchengeschichte gehören, da wir in der Zeit der bisher nicht dagewesenen Wiederherstellung des jüdischen Volkes leben.

Mit wenigen Ausnahmen brachten die meisten Kirchen in der Vergangenheit nur wenig Verständnis für Israel oder das jüdische Volk auf. Ich denke, dass es in den kommenden Jahrzehnten kaum eine Kirche geben wird, die keine Verbindung zu Israel hat, und dass ein Segens-Budget für Israel genauso selbstverständlich für eine Kirche werden wird wie ihr Missions-Budget für die Nationen der Welt.

Von der Bibel inspiriert

Wenn wir betrachten, was die Apostel den nichtjüdischen Gemeinden in der Welt über ihr Verhältnis zum jüdischen Volk lehrten, werden wir herausfinden, dass die Schrift sich ziemlich klar ausdrückt, wie die Kirche sich heutzutage gegenüber Israel verhalten soll. Der Apostel Paulus erklärt der Gemeinde in Rom: „So rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.” (Römer 11,18) Das bedeutet, dass nichtjüdische Christen die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens nicht zurückweisen oder verhöhnen dürfen, sondern sie vielmehr nähren sollen, so wie man die Wurzeln eines Baums nährt.

Die Briefe des Neuen Testamentes betonen stark die ewige Berufung Israels. Paulus machte es den Gläubigen aus den Nationen klar, dass das jüdische Volk alles Notwendige für unsere Beziehung zu Gott zur Verfügung stellte. Die Bibel ist ein jüdisches Buch, wir dienen einem jüdischen Messias und es waren jüdische Apostel, die das Evangelium zu den Nationen der Welt brachten. Deshalb erklärt Paulus, dass die Gläubigen aus den Nationen Schuldner gegenüber Israel sind.

Wiederverbindung der Kirche mit ihren jüdischen Wurzeln

Die Zeit ist reif für eine Reformation, die die Kirche wieder mit ihren jüdischen Wurzeln verbindet, so wie die Vision für Weltmission in der Kirche erneuert wurde. Wir können es uns nicht länger leisten, Israel zu ignorieren. Dies muss von jeder Kanzel gelehrt werden und ein integraler Bestandteil der Aktivitäten, Gebete und Spenden jeder Kirche werden. Jetzt ist die Zeit für Reformation! Achten Sie darauf, dass Sie bei dieser historischen Entwicklung mit von der Partie sind!


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Der Gott, der Nationen heilt

„Denn so spricht der HERR Zebaoth: Es ist nur noch eine kleine Weile, dass ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttere.“ (Haggai 2,6).

Der Prophet Haggai sah eine Zeit der globalen Erschütterung voraus. Er sah, wie nicht nur die Erde, sondern auch die Himmel erschüttert wurden. Eine Erschütterung des Himmels bedeutet nicht etwa, dass der himmlische Wohnort Gottes in irgendeiner Weise erschüttert würde. Gott ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Sein Thron und seine Herrschaft stehen für immer. Dieser Ausdruck bezieht sich vielmehr auf die himmlischen Reiche, von denen aus die Mächte und Gewalten der Finsternis Einfluss auf unsere Welt ausüben (Epheser 6,12). Es heißt, unsere Erde werde derart in Aufruhr geraten, dass dämonische Mächte über ganzen Nationen in Unruhe versetzt werden und möglicherweise sogar Regierungswechsel herbeiführen können.

Foto: Pixabay, Brandenburger Tor

Erschütterungen

Wir befinden uns definitiv in einer Zeit nie dagewesener globaler Erschütterungen. Das Coronavirus verursacht weltweit Verwerfungen und löst damit eine beispiellose Flut ungewöhnlicher Regierungsentscheidungen rund um den Globus aus. Wie nie zuvor beeinflusst eine Plage jeden Teil unseres Planeten und alle Nationen zugleich.

Auch die jüngsten Aufstände und Demonstrationen, die durch den Tod eines afroamerikanischen Mannes, George Floyd, ausgelöst wurden, gehen wie ein Lauffeuer um die Welt. Die größten und alarmierendsten Auswirkungen sind in den USA zu spüren, wo Floyds Tod die vorhandene Polarisierung innerhalb der Gesellschaft bereits zum Aufflammen gebracht hat und sogar die bevorstehende Präsidentschaftswahl beeinflussen könnte. Viele dieser Demonstrationen sind von zerstörerischen Kräften vereinnahmt worden, die kein harmonisches Verhältnis zwischen den Volksgruppen sowie den Frieden der Nation im Sinn haben, sondern vielmehr ihre Zerstörung. Ich persönlich habe das Gefühl, dass ein Großteil der Gewaltausbrüche bösen geistlichen Ursprungs ist und deshalb auch im geistlichen Kampf durch Gebet angegangen werden muss.

Wie Wunden heilen

Sowohl die Covid-19-Pandemie als auch die Aufstände reißen eine landesweite Wunde in Amerika und in aller Welt auf, die nach Heilung schreit. Genau an dieser Stelle gibt uns das Wort Gottes Hoffnung.

„[Wenn] mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen.“ (2. Chronik 7,14)

Dieser Vers zeigt uns, dass Gebet die Heilung und Wiederherstellung ganzer Nationen bewirken kann. Gebet ist nicht nur eine Waffe, um unsere persönlichen Kämpfe in den Bereichen Finanzen, Gesundheit oder Familie zu führen. Gebet kann eine strategische Waffe mit nationaler Durchschlagskraft sein, die in Verbindung mit Fasten jedes Joch zerbrechen und jede Festung zerstören kann. Gott ermutigt uns, in diesen Dimensionen zu denken.

„Bitte mich“, spricht Gott, „so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum“ (Psalm 2,8). Als Daniel in Babylon für das Volk Israel in der Zerstreuung betete, setzte sein Gebet Engelfürsten in Bewegung, die in den himmlischen Gefilden über die Weltreiche Griechenland und Persien regierten. Das bedeutet, dass gezieltes und bewusstes Gebet die Atmosphäre über Nationen und Regionen verändern kann.

Einheit durch Gebet

Ein Beispiel dafür sind die Geschehnisse in Deutschland während der späten 1980er Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland streng gerichtet und erlebte eine nationale Teilung in zwei Staaten. Ostdeutschland wurde von der Sowjetunion kontrolliert und unterdrückt und stand als Region schließlich unter der Aufsicht eines KGB-Agenten namens Wladimir Putin (das KGB, Komitee für Staatssicherheit, war von 1954 bis 1991 der sowjetische In- und Auslandsgeheimdienst). Die andere Seite Deutschlands war Teil der freien westlichen Welt unter Leitung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Konfrontationslinie zwischen Ost und West während des Kalten Krieges verlief durch Deutschland und mitten durch Berlin. Deutsche spionierten sich gegenseitig aus und wurden sogar darauf trainiert, einander im Falle eines Krieges zu bekämpfen.

Noch zur Jahreshälfte 1989 schien eine Wiedervereinigung Deutschlands unmöglich. Einige der prophetischen Stimmen, die eine Wiedervereinigung voraussahen, wie der britische Bibellehrer David Pawson und Loren Cunningham, Gründer von „Jugend mit einer Mission“, wurden von Pastoren in Deutschland belächelt. Deutschland war nicht nur durch eine nationale Kluft gespalten, sondern auch durch globale politische Blocks, die bereit waren, ihren Teil Deutschlands zu verteidigen und dafür zu kämpfen. Ich kann mich noch gut an die Manöver des US-Militärs in der Nähe meiner Heimatstadt bei Stuttgart während meiner Kindheit erinnern.

Als ich letzten Sommer, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, in Deutschland war, sprach ich mit Pastoren und Leitern aus dem Osten und aus dem Westen. Ich wurde durch ihre Worte sehr ermutigt. Schon in den späten 1970er Jahren bildeten sich insbesondere im kommunistischen Ostdeutschland Gebetsgruppen, die für die Heilung unseres Landes beteten. Im Jahr vor der Wiedervereinigung gingen verschiedenste Einzelpersonen und Gebetsgruppen durch Gottes Führung und ohne voneinander zu wissen an die Mauer und beteten dafür, dass sie fallen möge. Auf beiden Seiten der Berliner Mauer nahmen Menschen das Abendmahl, und ahnten nicht, dass andere es ihnen gleichtaten.

Die Demonstrationen, die zum Fall der Berliner Mauer führten, hatten ihren eigentlichen Ursprung in den Friedensgebeten, die jeden Montag in der Nikolaikirche in Leipzig stattfanden. Das wöchentliche Gebetstreffen wurde bereits 1982 ins Leben gerufen. Und Gott antwortete auf diese Gebete! Was tatsächlich in der Nacht des 9. Novembers 1989 geschah, weiß bis heute niemand ganz genau. Doch alle sind sich einig, dass es ein Wunder war, als ein hoher SED-Funktionär in Ostdeutschland, Günter Schabowski, die Grenze für geöffnet erklärte.

Wenn Gottes Volk betet

Ich schreibe diese Worte heute in einer Zeit, in der die Nationen der Welt Heilung brauchen. Es geht eine Mauer durch die Vereinigten Staaten – und dabei spreche ich nicht von der Mauer, die die südliche Grenze der USA sichern soll. Die Mauer, die ich meine, teilt und polarisiert die Nation und bedroht möglicherweise nicht nur das Gefüge Amerikas, sondern auch die globale Rolle der USA als „Nation unter Gott“. Amerika braucht unsere Gebete mehr als je zuvor. Besonders wir Christen in der westlichen Welt sind das den USA mehr als irgendjemandem sonst schuldig, standen sie doch jahrzehntelang an unserer Seite.

Gott kann Korea ebenso heilen und vereinen, wie er Deutschland wiedervereint hat. Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang war einst als „Jerusalem des Ostens“ oder „Jerusalem Asiens“ bekannt, als vor einem Jahrhundert eine große Erweckung über das Land kam. Was uns heute unmöglich scheint, ist Gott möglich. Der Schlüssel dafür liegt allerdings nicht in den Händen von Politikern, sondern in den Händen des Volkes Gottes. Beachten Sie, dass es nicht heißt „wenn der Präsident“ oder „wenn die Regierung“ oder „wenn das Parlament“ etwas tut. Gott sagt vielmehr: „Wenn mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten […], so will ich […] ihr Land heilen.“ (2. Chronik 7,14) Der Schlüssel zur Heilung unserer Nationen liegt in den Händen gewöhnlicher Leute, Menschen wie Sie und ich, die an den Trennmauern stehen und proklamieren, dass sie im Namen Jesu fallen müssen!

Bitte beten Sie mit uns für die USA, für Korea und für Israel. Vielleicht braucht auch Ihre eigene Nation eine Berührung Gottes. Gott heilt die Nationen. In Jakobus 5,16 lesen wir: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“ Unsere Gebete können die dämonischen Mächte der Spaltung, des Liberalismus und des Rassismus brechen, weil Jesus der Herr aller Herren und der König aller Könige ist. Nichts ist ihm unmöglich, wenn sein Volk betet. Tun wir uns zusammen und packen wir es gemeinsam an!

Gott segne Sie aus Jerusalem, während wir die Welt gemeinsam verändern!


Jesaja-62-Gebet

Bitte informieren Sie sich über unsere Jesaja-62-Gebetsgruppen in Ihrem Land und schließen Sie sich einer unserer Gebetsgruppen an, die von unseren nationalen ICEJ-Zweigstellen derzeit über die Internetplattform ZOOM angeboten werden. Gerne können Sie sich jeden Mittwoch auch unserem weltweiten Gebetstreffen der ICEJ aus Jerusalem anschließen, ebenso wie unserer neuen, monatlichen, globalen Gebetsbewegung Rosch Chodesch. Es gibt viele weitere Menschen wie Sie, die gemeinsam mit anderen Gläubigen ihre Stimme erheben wollen und daran glauben, dass sie ihre Nationen nachhaltig beeinflussen können.

Hier geht es zum Jesaja-62-Gebet der ICEJ-Deutschland: www.Jesaja62.icej.de

Klicken Sie hier, um weitere Informationen zu den internationalen Gebetsgruppen zu erhalten (auf Englisch).

Sehen Sie außerdem zwei faszinierende Videos, die darüber berichten, wie Gott in den Herzen seines Volkes auf beiden Seiten der Berliner Mauer gewirkt hat: Die andere Seite der Mauer: Christen in Ost- und Westberlin


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Bereitet den Weg!

Auf dem Weg hinauf nach Jerusalem konnten wir in den letzten zehn Jahren viele Veränderungen beobachten. Schwere Erdbaumaschinen ebneten steile Steigungen und begradigten die Kurven der Autobahn 1, die Tel Aviv mit Jerusalem verbindet. Bergkuppen wurden abgetragen und Täler überbrückt oder aufgefüllt, um hinsichtlich der täglichen Verkehrsstaus in die Hauptstadt Israels Abhilfe zu schaffen.

Foto: ICEJ, Straßenbau in Jerusalem, Symbolbild

Straßenbauprojekte

Die Bibel spricht darüber, dass solche gewaltigen Umwälzungen auch im geistlichen Bereich geschehen werden. Nicht etwa, um dem stetig wachsenden Strom von Touristen den Weg nach Jerusalem zu ebnen oder um dem zunehmenden Bedarf weiterer Infrastruktur in der schnell wachsenden Start-up-Nation nachzukommen. Es handelt sich um eine geistliche Straße, die den Weg für etwas weitaus Wichtigeres bahnt. Dieses Straßenbauprojekt wird das Kommen der Herrlichkeit des Herrn vorbereiten.

„Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.“ (Jesaja 40,3-5)

Das aktuelle Straßenbauprojekt um Jerusalem herum geschieht auf staatliche Initiative. Aber Jesaja spricht von einem Straßenbauprojekt, das vom Himmel initiiert wird. Er hört eine Stimme, ähnlich des Schalls einer Trompete, die jeden an jedem Ort einlädt, sich an dieser prophetischen Mission zu beteiligen.

Johannes‘ Auftrag

Durch Johannes den Täufer war diese Stimme bereits vor 2.000 Jahren zu hören. Und ich glaube, dass diese Stimme heute wieder gehört wird. Damals war es tatsächlich ein umstrittener Ruf. Johannes der Täufer war in vielerlei Hinsicht ein Sonderling. Er erfüllte nicht die Erwartungen des Mainstreams seiner Zeit. Seine Versammlungsorte waren nicht die glänzenden Marmorhallen des Tempels, sondern die raue und feindselige Umgebung der Wüste. Sein Redestil war nicht von den großen Rednern seiner Zeit geschult worden. Er gebrauchte eine raue Sprache und fand deutliche Worte. Er kritisierte die religiösen Leiter seiner Zeit als „Otterngezücht“ und forderte den König auf, Buße zu tun über seinen unmoralischen Lebensstil (Matthäus 14,4). Seine Kleidung war bestenfalls rustikal und, wie Jesus es ausdrückte, nicht geeignet für die Häuser der Könige (Matthäus 11,8). Seine Nahrung war auf jeden Fall eigenartig – Heuschrecken mit Honig.

Johannes der Täufer war ein Prediger, der Menschen mit seinem Erscheinungsbild und seiner Botschaft verärgerte. Viele jedoch liebten ihn und spürten, dass dieser merkwürdige Unruhestifter in der Wüste ein Wort des Herrn für ihre Generation hatte. Sie spürten, dass Gott wieder einen Mann wie in früherer Zeit Elia geschickt hatte, der ihre Lauheit und ihren widerspenstigen Lebensstil anprangerte. Sie kamen aus ganz Israel, um ihn zu hören und die Taufe des Johannes zu empfangen. Jesus machte ihm später das höchste Kompliment, das ein Menschen bekommen kann: „Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer.“ (Matthäus 11,11)

Als man ihn selbst fragte, wer er sei, erklärte Johannes überraschenderweise ganz schlicht, dass es überhaupt nicht um ihn ginge, sondern um den Einen, der nach ihm kommen würde. „Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste: ‚Ebnet den Weg des Herrn!‘, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.“ (Johannes 1,23). Seine Botschaft traf mitten ins Herz der religiösen Elite und der Vorstellung, dass die Zugehörigkeit zu Gottes auserwähltem Volk, den Juden, eine Eintrittskarte in den Himmel sei (Lukas 3,7-9). Stattdessen suchte Gott ein Volk mit zerbrochenem Geist, das bußfertig war - und zwar nicht nur mit Worten. Wenn nötig könnte Gott sich ein Volk aus Steinen auferwecken, erklärte Johannes. Für Johannes war Buße nicht einfach das Ablesen eines Bekenntnisses in der Kirche (oder im Tempel), sondern sie bedurfte einer grundlegenden Änderung des Lebensstils. „Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße!“ (Matthäus 3,8)

Johannes war der Wegbereiter für den Messias. Er führte seinen Dienst aus „im Geist und in der Kraft des Elia... zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.“ (Lukas 1,17) Oder wie Jesus es selbst später sagte: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ (Matthäus 11,10)

Elia muss kommen

Der Prophet Maleachi verknüpft diesen Dienst der Wegbereitung mit Israels größtem Propheten - Elia. Bis heute hält das jüdische Volk an der Tradition fest, am Seder-Tisch beim Passahfest in Erwartung seines Kommens einen Platz für Elia zu reservieren. Im Verlauf des Seder-Abends wird sogar die Haustür geöffnet, um zu sehen, ob Elia gekommen ist.

Jesus und seine Jünger waren auf dem Rückweg vom Berg der Verklärung. Soeben hatten die Jünger gesehen, wie Elia und Mose sich mit Jesus unterhielten. Sie fragen Jesus: „‚Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen?‘ Er antwortete und sprach: ‚Ja, Elia kommt und wird alles zurechtbringen. Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen.‘ Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.“ (Matthäus 17,10-13)

Jesus antwortete ihnen in einer fast rätselhaften Weise: „Elia kommt“ und „Elia ist schon gekommen.“ Er deutet an, dass es einen zweifachen Dienst des Elia gibt. Einer erfolgte durch die Person Johannes des Täufers. Dieser Dienst war sehr mächtig, endete jedoch mit der Enthauptung Johannes des Täufers. „Sie… haben mit ihm getan, was sie wollten.“ Dennoch spricht Jesus auch von einem künftigen Dienst des Elia. „Elia kommt!“ Demnach wird dieser Dienst des Elia in seiner Wirkung anders sein. Dieser künftige Dienst des Elia „wird alles zurechtbringen.“

Das Wiederauftreten und die andauernde Wiederherstellung des modernen Staats Israel, das beispiellose Wachstum der Gemeinde Jesu weltweit und die globalen Erschütterungen (wie die aktuelle Corona-Krise) deuten darauf hin, dass wir in einer Zeit von großer geistlicher Bedeutung leben. Jesus kommt bald! Doch wenn dies wahr ist, müssen wir uns den Dienst von Johannes dem Täufer genauer ansehen. Ich persönlich glaube, dass die aktuelle Krise ein Ruf des Himmels an uns alle ist: „Bereitet dem HERRN den Weg!“

Diesmal ist es nicht die Stimme einer einzelnen Person, einer Gemeinde oder eines Dienstes, sondern ein Ruf des Geistes Gottes, der auf der ganzen Welt von denen gehört wird, die nach mehr von seiner Herrlichkeit und nach dem Kommen ihres Retters hungern und dürsten. Heute hören wir, dass die Bibel in vielen Buchhandlungen auf der ganzen Welt ausverkauft ist. Inmitten der Quarantänezeit schießen Online-Gebetstreffen wie Pilze aus dem Boden. Diese aktuelle Krise fordert die Gemeinde zweifellos heraus und verändert sie – und Israel. Sie wird dazu beitragen, dem Herrn den Weg zu bereiten.

Ein heiliger Weg

Gott baut einen Weg in unserer Zeit. Egal mit wem ich weltweit spreche, jeder empfindet, dass Gott in unseren Tagen etwas Neues und Frisches wirkt. Neue Weinschläuche! Und dieser neue Weg, der gebaut wird, ist nicht nach Denominationen oder Diensten benannt. Es ist nicht der Weg eines Menschen, sondern der „Weg des Herrn“.


In Jesaja 35,8 beschreibt der Prophet ihn als einen „heiligen Weg“. Dieses Wirken Gottes verlangt von uns, das wir uns einen neuen Lebensstil der Heiligkeit und der Buße aneignen. Diese Worte – Heiligkeit und Buße – sind heute in vielen christlichen Kreisen gefährlich rar geworden, aber in den Botschaften Elias und Johannes des Täufers standen sie im Mittelpunkt. Johannes‘ Aufruf zur Buße richtete sich nicht an die Heidenvölker oder an das Römische Reich. Dieser Ruf erging an sein eigenes Volk, an Gottes Volk. Er rief Israel auf, mit seinem Gott ins Reine zu kommen. Heute ruft der Herr uns, die Gemeinde, mit Gott ins Reine zu kommen. Von den sieben Gemeinden im Buch der Offenbarung (Kapitel 2 bis 3) war Gott nur mit zweien völlig zufrieden. Die meisten (fünf von sieben!) mussten dringend Buße zu tun.

Wie Israel zur Zeit Johannes des Täufers müssen wir uns von der Vorstellung befreien, dass die Gemeinde eine Eintrittskarte in den Himmel hat. Ein gewaltiges Wirken Gottes in unserer Zeit bedarf einer gewaltigen Veränderung in unserem Leben.

Zu Beginn dieses Jahres empfand unser Team in Jerusalem, dass Gott uns zur Buße rief. Nicht, weil unverfrorene Sünde unter uns grassiert hätte, sondern weil wir empfanden, dass Gott uns zu einer größeren Absonderung von der Welt und einer engeren Gemeinschaft mit ihm rief. Charles Finney, einer der größten Erweckungsprediger Amerikas, schreibt in seinem Beststeller „Lectures on Revival“, dass eine Welle der Buße jeder Erweckung vorangeht und sie begleitet. Lasst uns diese heilige Tugend wiederentdecken!

Eine Stimme in der Wüste

Dieser Ruf, dem Herrn den Weg zu bereiten, wird nicht unbedingt die Aufmerksamkeit und den Zuspruch der Welt erhalten. Wie zur Zeit Johannes des Täufers wird es eine Stimme in der Wüste sein. Es ist möglich, dass sie von unseren Freunden und Familien nicht gehört werden wird. Es mag sein, dass es nicht in den sozialen Netzwerken und großen Versammlungen geschieht. Stattdessen wird es ein intimes Wirken Gottes sein, das zwischen Ihnen und ihm geschieht. Ein Segen, den die aktuelle Corona-Krise bewirkt, ist, dass sie uns auf unser Zuhause beschränkt, auf unsere Familienbeziehungen und unsere Beziehung zu Gott. Die Bibel verheißt uns: Wenn wir uns ihm nahen, naht er sich auch uns (Jakobus 4,8).

Berge, Täler und krumme Wege

In den Tagen Johannes des Täufers holte seine Botschaft das Volk Gottes aus dem Tal der Gleichgültigkeit und des Kompromisses heraus. Er füllt das auf, was in unserem Leben fehlt. Das kann der Verlust unserer ersten Liebe und Leidenschaft für Jesus sein. Es kann die Vernachlässigung der „Gnadenmittel“ sein, durch die Gott sein Reich aufbauen möchte – die Gemeinschaft der Heiligen, das Abendmahl, das Studium von Gottes Wort und unser persönliches Gebetsleben.

In vielen Herzen gibt es Berge des Stolzes, menschlicher Philosophien und Religiosität, die Gottes Wirken verhindern. Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth, dass er seine geistlichen Waffen gegen alles Hohe, das sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, einsetzt (2. Korinther 10, 4-5). Auch wenn es keine leibhaftigen Berge sind, können sie dennoch entmutigend aufragen wie die Rocky Mountains oder der Himalaya. Wir müssen die krummen, verdrehten Wege unseres Herzen geraderücken, damit die Herrlichkeit des Herrn in ihrer ganzen Fülle kommt! Das hebräische Wort für krumm ist „akóv“. Dasselbe Word wird vom Propheten Jeremia verwendet: „Trügerisch (akóv) ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?“ (Jeremiah 17,9 / ELB)

Derek Prince wies immer wieder darauf hin, dass das Adjektiv „trügerisch“ nicht im Passiven sondern im Aktiven gebraucht wird. Es bedeutet also nicht, dass unser Herz leicht zu betrügen ist, sondern dass unser Herz uns aktiv betrügen möchte. Darum ruft der Prophet ein paar Verse später zu Gott: „Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jeremia 17,14)

Herzenssache

Dem Herrn einen Weg zu bereiten betrifft unser Herz. Jeremia – und mit ihm andere Propheten – verstanden, dass unser Herz unheilbar krank ist, und dass wir eine himmlische Herztransplantation durch den Heiligen Geist brauchen. Hesekiel sagt dies voraus (Hesekiel 36,24ff). Jeremia spricht von einem neuen Bund Gottes, der mit unserem Herzen zu tun hat (Jeremia 31,31ff). Und Jesus sagte, diese verheißene, vom Heiligen Geist bewirkte Herzensumwandlung wird so grundlegend sein, dass man sich wie von neuem geboren fühlt (Johannes 3,6).

Genau hierin liegt das Geheimnis, worin der Dienst Johannes des Täufers sich von dem unterscheidet, was Gott ins unserer Zeit tun wird. Damals wurden zahlreiche Menschen von ihm erreicht und ließen sich taufen. Aber das bewirkte beim Volk keine dauerhafte Herzensänderung. Gleichermaßen bewirkte Elia, als er das Volk auf dem Berg Karmel herausforderte, nur eine kurzlebige Veränderung. Der Prophet Hosea hat es zutreffend beschrieben: „Was soll ich dir tun, Ephraim? Was soll ich dir tun, Juda? Ist doch eure Liebe wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der frühmorgens vergeht!“ (Hosea 6,4)

Aus diesem Grund wird und muss dieser letzte Ruf in der Wüste ein mächtiges und herzensveränderndes Wirken des Heiligen Geistes sein, ansonsten wird es nichts bewirken! Der große Unterschied zwischen der Zeit Johannes des Täufers und unserer Zeit ist, dass der Heilige Geist damals noch nicht ausgegossen war. Aber Pfingsten und die große Erwartung einer Ausgießung des Geistes Gottes in den letzten Tagen lassen uns auf ein spannendes Wirken Gottes in unserer Zeit hoffen. Mein Freund Angus Buchan sagte neulich während einer unserer weltweiten Online-Gebetstreffen, dass er mit der größten Erweckung der Geschichte rechnet, sobald diese Corona-Krise vorüber ist.

Die Zeit auskaufen

Wir leben wahrhaftig in einer Zeit, die es in der Geschichte nie zuvor gegeben hat. Vier Milliarden Menschen sind auf verschiedene Weise von Quarantänemaßnahmen betroffen, bedingt durch das Coronavirus. Lasst uns diese Zeit nicht vergeuden, sondern für Gottes Absichten auskaufen. Es ist eine Zeit, in der Gott vom Himmel her redet, in der Gott erklärt: „Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel.“ Durch dieses Erschüttern bewirkt Gott, „dass das, was erschüttert wird, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, auf dass bleibe, was nicht erschüttert wird.“ (Hebräer 12,26-27)


Alle Dinge, die auf menschlicher Herrlichkeit und durch menschliche Mühen erbaut wurden, werden erschüttert werden, damit die Dinge, die auf Gottes unerschütterlichem Reich gebaut wurden, bleiben. Wenn wir alle gemeinsam diesen göttlichen Weg bereiten, werden wir sehen, wie die Herrlichkeit des Herrn in Macht erscheint. Es wird eine noch größere Herrlichkeit sein als die des bisherigen Hauses und alle Welt wird es sehen!

Lesen Sie auch Bereitet den Weg! Teil 2: Die Wiederherstellung von Vätern und Söhnen


Laubhüttenfest 2020 - das erste Online-Laubhüttenfest

„Bereitet den Weg für den Herrn“ ist das Thema des diesjährigen ICEJ-Laubhüttenfestes. Als wir es wählten, ahnten wir noch nicht, wie relevant dieses Thema 2020 sein würde! Es ist wahrhaftig das Jahr des Rufes: „Bereitet den Weg für den Herrn!”

Wir laden Sie herzlich ein, dieses Jahr an unserem ersten Online-Laubhüttenfest teilzunehmen!

Wir besuchen neue und bekannte Orte in Jerusalem und Israel und begegnen Israelis.

Rund 50 Online-Seminare mit vielfältigen Themen: u.a. Laubhüttenfest, Gottes Pläne für Israel, aktuelle Entwicklungen, biblische Prophetie, christlicher Zionismus, Archäologie und Spannendes für die junge Generation.

Die Online-Seminare sind bis Ende Dezember 2020 abrufbar.

Für den Livestream und für viele Seminare wird eine deutsche Übersetzung angeboten.

Für 50 $ (ca. 45 €) sind Sie dabei!

Weitere Infos und Anmeldung zum ICEJ-Laubhüttenfest 2020

 


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Sitzt der Nahe Osten auf einem Pulverfass?

Seit fast einem Jahrzehnt führt Israel einen Schattenkrieg gegen den Iran und ist dabei ziemlich erfolgreich – vielleicht sogar ein bisschen zu erfolgreich. Das radikale Regime in Teheran befindet sich unter wachsendem Druck, entweder eine Reihe von Missgeschicken im Land einzugestehen oder Rache an Israel und seiner vermeintlichen Sabotage-Kampagne zu verüben. Angesichts anderer Entwicklungen in der Region könnte selbst die Corona-Pandemie nicht imstande sein, eine ernsthafte militärische Eskalation zu verhindern.

Foto: Pixabay, Karte Nahost, Symbolbild

Mysteriöse Explosionen im Iran

Seit Ende Juni hat es acht mysteriöse „Vorfälle“ in verschiedenen Militär- und Industrieanlagen des Iran gegeben (Stand Anfang Juli). Dazu zählten Explosionen und/oder Brände in einer Fabrik für ballistische Raketen, einem Raketendepot, einer Klinik in Teheran, einem Kraftwerk und einer petrochemischen Fabrik im Süden des Landes, einem Automobilwerk, einer Gaslagerstätte nahe der Militärbasis Parchin und einer Lagerhalle in der Atomanlage Natanz, in der Uranium angereichert wird.

Die letzten beiden Standorte sind besonders bemerkenswert. Auf der Militärbasis Parchin soll der Iran einst Atomwaffentests durchgeführt haben. Der Iran hat den UN-Inspektoren wiederholt den Zugang zu diesem Stützpunkt verwehrt. Die Explosion in Natanz zerstörte ein Gebäude, in dem Zentrifugen vor ihrer Inbetriebnahme ausgeglichen wurden. Man erinnere sich: Natanz war bereits vor zehn Jahren vorübergehend durch den Computervirus Stuxnet untauglich gemacht worden, der gemeinsam von den USA und Israel kreiert worden sein soll. Vor nicht allzu langer Zeit begannen die iranischen Behörden mit der Verdopplung ihrer Anreicherungskapazität – ein Verstoß gegen das 2015 unterzeichnete Atomabkommen, das das Streben des Irans nach Atomwaffen eindämmen sollte. Experten vermuten, dass die Explosion in Natanz Anfang Juli weitere Aktivitäten in der Anlage für bis zu zwei Jahre unmöglich gemacht haben könnte.

Das Mullah-Regime in Teheran hat versucht, all diese Missgeschicke mit defekten Gasleitungen und voneinander unabhängigen Unfällen zu erklären. Langsam aber sicher sieht es jedoch nach einer Serie geplanter Sabotageangriffe aus – auch in den Augen der iranischen Öffentlichkeit. Sie fordern Antworten und selbst im Parlament werden die Rufe lauter, Präsident Hassan Rohani seines Amtes zu entheben, angesichts seiner scheinbaren Inkompetenz.

Falls diese jüngsten Ereignisse tatsächlich Teil des verdeckten Konflikts zwischen Israel und dem Iran sind, würde in diesem Wettkampf die „zionistische“ Seite weit vorne liegen.

Luftschläge, Cyberangriffe und Geheimdienstoperationen

In den letzten Jahren hat Israel über 1.000 Luftschläge gegen Stützpunkte des Irans, Syriens und der schiitisch-libanesischen Terrororganisation Hisbollah auf syrischem Boden ausgeführt. Einige dieser Bombardements und Raketenangriffe waren sehr zerstörerisch: Waffenlager wurden vernichtet, wichtige Luftstützpunkte im ganzen Land lahmgelegt und dutzende Kämpfer der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und pro-iranischer Schiiten-Milizen getötet. Berichten zufolge soll Israel auch pro-iranische Milizen und Raketenstützpunkte im westlichen Teil des Iraks angegriffen haben.

2018 brachen israelische Agenten in einer waghalsigen Aktion in eine unscheinbare Lagerhalle in Teheran ein und schmuggelten einen Schatz voller Geheimdokumente zum verborgenen iranischen Atomwaffenprogramm heraus.

Letztes Jahr entdeckte und zerstörte die israelische Armee mehrere Terror-Tunnel, die die Hisbollah aus dem Südlibanon nach Israel gegraben hatte, und beraubte den Iran somit einer wichtigen Geheimstrategie, Israel anzugreifen.

Im Januar dieses Jahres tötete die US-Armee Qasem Soleimani, Kommandeur der Quds-Brigaden, einer Eliteeinheit der IRGC, auf dem Flughafen von Bagdad. Diese gezielte Tötung durch eine US-Drohne soll u.a. durch Informationen israelischer Nachrichtendienste ermöglicht worden sein.

Und nachdem Israel einen Cyberangriff, der das Trinkwasser im Land hätte vergiften können, abgewehrt hatte, richtete es im Mai mit einem eigenen Cyberangriff große Verwirrung im wichtigsten Hafen des Iran an.

Merkwürdigerweise haben die Iraner auf diese verschiedenen Schläge durch Israel kaum reagiert. Die wenigen Gegenschläge waren ungewohnt schwach. Einige wenige Raketen wurden aus Syrien auf die Golanhöhen gefeuert, aber die meisten wurden abgeschossen oder schlugen noch vor der israelischen Grenze ein. In Nordisrael drangen ein paar feindliche Drohnen ein, die aber schnell entdeckt und unschädlich gemacht werden konnten.

Die israelische Armee hat der iranischen Achse also zahlreiche Kinnhaken verpasst, während der israelische Geheimdienst Mossad die Handtaschen der Ajatollahs leerte und auch den wichtigsten Exporteur der iranischen Revolution ausschaltete. Angesichts der vermuteten Sabotage-Kampagne, die gerade den Iran erschüttert, wächst der Druck auf das Regime, entweder eine Erklärung für all diese Zwischenfälle zu liefern oder mit der Rache an Israel zu beginnen. Die iranische Regierung spielt die Vielzahl an Explosionen und Bränden herunter. Aber sie erscheint dabei sehr stümperhaft, vor allem wenn man auch die schwächelnde Wirtschaft, den Absturz der Währung, die tatsächlichen Corona-Fallzahlen im Land und ihre Lügen über das im Januar abgeschossene ukrainische Flugzeug in Betracht zieht.

Die Taktik des Mullah-Regimes

Es ist verwunderlich warum der Iran bisher noch keine Gegenschläge unternommen hat. Teheran hat bewiesen, dass es sehr wohl in der Lage ist, zu bestimmten Anlässen gewaltige, ausgeklügelte Militäroperationen durchzuführen. Zum Beispiel kamen bei dem Überraschungsangriff auf Ölfelder im östlichen Saudi-Arabien letzten September zahlreiche bewaffnete Drohnen und Lenkraketen zum Einsatz, die der fortschrittlichen Luftabwehr „Made in USA“ entgingen.

Und iranische Beamte sind bekannt dafür, jedes Mal mit sehr viel Lärm und Getöse Vergeltungsschläge gegen Israel und seinen amerikanischen Verbündeten anzukündigen, wenn sie einen Schlag wegstecken müssen.

Aber, so sagt man, die Iraner haben auch das Schachspiel erfunden. Sie denken gerne langfristig, wiegen ab und planen mehrere Züge im Voraus. Daher ist es für sie wichtiger, ihre Truppen in Syrien und im Irak zu etablieren, ihren Griff nach dem Libanon zu festigen, Riad durch die verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen zu bedrohen, Öl an Venezuela zu liefern und zuhause ihre Raketen und Nuklearkapazitäten weiterzuentwickeln.

Wenn sie in der Zwischenzeit hin und wieder einen Militärschlag durch eine ihrer verbündeten Milizen verüben – und diesen dann umgehend abstreiten – können, kommt es ihnen gerade gelegen. Jüngste Meldungen deuten darauf hin, dass die Iraner beim Versuch ertappt wurden, eine altbekannte Taktik anzuwenden, nämlich Anschläge auf israelische Botschaften im Ausland zu verüben.

Die Hisbollah: Gefahr für Israel und für den Libanon

Dennoch haben sie tödliche Aktivposten vor Israels Haustür platziert, die eine reale Bedrohung für den jüdischen Staat darstellen. Dazu zählt insbesondere das Raketenarsenal der Hisbollah im Libanon, das mehr als 150.000 Raketen umfasst. Inzwischen gehören auch zahlreiche präzisionsgesteuerte Langstreckenraketen dazu, die Ziele in ganz Israel treffen können, und verbesserte „Killer“-Drohnen, deren Fähigkeiten der israelischen Armee weiterhin nicht bekannt  sind.

Der Libanon selbst befindet sich inmitten einer schweren wirtschaftlichen Krise, die das Land ernsthaft destabilisieren und zu einem erneuten gesellschaftlichen Bruch entlang der Konfessionen führen könnte. Die Landeswährung hat beinahe 80% ihres Wertes verloren und damit viele Libanesen in die Armut getrieben. Auf Facebook tauschen Menschen ihre Güter und Dienstleistungen gegen Lebensmittel ein. Die schwächelnde Regierung hat damit begonnen, Kisten mit Obst und Gemüse entlang der Straßen zu stellen, um die verzweifelte Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. So etwas hatte es nicht einmal während des 15-jährigen Bürgerkriegs gegeben.

Viele mutige Libanesen, unter ihnen auch Schiiten, die vom wirtschaftlichen Zusammenbruch und der Corona-Krise jeglicher Hoffnung beraubt sind, kritisieren die Hisbollah in aller Öffentlichkeit für ihre Rolle angesichts dieser nationalen Krise. Zur gleichen Zeit gibt es Hinweise, dass die radikale Terrororganisation einen Krieg mit Israel sucht, um sich selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Jede der mysteriösen Explosionen im fernen Iran heizt diese Befürchtungen nur weiter an.

Vermutlich wissen die Libanesen bereits etwas, das wir gerade erst realisieren: Der Nahe Osten sitzt auf einem Pulverfass und der kleinste „Unfall“ könnte ihn zum Explodieren bringen.


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Der Gott der umfassenden Gnade – Chessed

„Gibt es im Alten Testament überhaupt Gnade?“ Das ist eine Frage, die bis heute hartnäckig gestellt wird. Wie ist es zu dieser Frage gekommen, die auch Theologen noch immer beschäftigt? Ihr Ursprung liegt in einer alten unseligen Geschichte, die sich um ca. 150 n. Chr. in Rom abspielte.

Foto: Pixabay, Klagemauer, Symbolbild

Ablehnung des Alten Testaments

Der reiche Reeder Marcion aus Pontus kam nach Rom und nahm in der Gemeinde schnell eine einflussreiche Position ein. Bald wirkte er auch als Lehrer. Er erklärte den Gläubigen, der Gott des Alten Testamentes (AT) sei nicht der Vater von Jesus, er sei grausam, zornig und unberechenbar. Das AT sei schädlich, in ihm gebe es keine Gnade. Marcion ließ nur das Lukasevangelium und sieben Briefe von Paulus gelten. Die Kirchenväter Irenäus und Tertullian bekämpften ihn, aber umsonst. Die Früchte dieses bösen Samens wachsen noch immer. Vor einiger Zeit hörte ich auf einer Tagung einen jungen freikirchlichen Pastor zu einem Kollegen sagen: „Letzten Sonntag habe ich das erste Mal aus dem Alten Testament gepredigt.“ Aussagen wie „Wir sind nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade; wir brauchen das Alte Testament nicht!“ sind häufig zu hören.

Gnade im Alten Testament

Falsche Lehren können sich lange halten, besonders die, dass im AT keine Gnade zu finden sei. Die Unwissenheit ist groß, vor allem auch, weil sich die Kirche schon früh vom Judentum getrennt hat. Das hebräische Wort für Gnade heißt chessed (חסד). Es kommt im AT gut 245 Mal vor, allein in den Psalmen 127 Mal. Der fromme Jude preist die Gnade Gottes, denn dieser Begriff besagt viel mehr als das, was wir gewöhnlich darunter verstehen. Das hebräische chessed umfasst das Erleben der Güte, Gnade und vor allem der unveränderlichen Liebe und Freundlichkeit Jahwes. Diese Worte finden wir an vielen Stellen im ersten Teil unserer Bibel.

Gnade, chessed, ist ein starkes Wort aus dem Vorderen Orient. Es betrifft den Bund (brit) Gottes mit seinem Volk Israel und entstammt folgender Situation: Wenn ein Fürst Gefallen an einem Vasallen oder einem schwächeren Fürsten an seiner Seite hat, bietet er ihm an: „Hier ist mein Bund mit dir. Du kannst dich auf mich verlassen.“ Grundlage des Bundes ist chessed - Liebe, Gnade, Güte - und zwar als feste, unverrückbare Größe. Einer kann dem anderen vertrauen.

 JHWH, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Wahrheit!(2. Mose 34,6)

Gottes Wesen: Gnade und Wahrheit

Neben chessed ist emet ein weiterer wichtiger Begriff, um das Wesen Gottes zu beschreiben. Emet bedeutet Wahrheit, aber auch Treue, und hat die Wurzel amn, Amen. Gott ist treu! Dieser wunderbare Doppel-Begriff Gnade und Wahrheit (chessed & emet) wird in den Psalmen zwölf Mal verwendet, ein weiteres Dutzend Mal findet er sich in weiteren Schriften des AT. In 1. Mose 24 sendet Abraham seinen Knecht nach Haran, um für Isaak um eine Frau zu werben. Als der Knecht die glückliche Lösung schon fast greifen kann, sagt er:Gepriesen sei der HERR, der Gott meines Herrn Abraham, der seine Gnade und Treue/Wahrheit (chessed & emet) gegenüber meinem Herrn nicht hat aufhören lassen!“ (1. Mose 24,26-27) Und die Familie, die durch einen Bund mit Abraham verbunden ist, bittet er: „Wenn ihr Gnade und Treue/Wahrheit (chessed & emet) an meinem Herrn erweisen wollt, teilt es mir mit.“ (Vers 49)

In 2. Mose 34,6 hörte Mose Gottes Worte: „JHWH, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Wahrheit (chessed & emet).“ Diesem Ausspruch war die Sünde des Volkes Israel, das das goldene Kalb anbetete, und Moses Bitte um Vergebung direkt vorausgegangen. Gott sagt auf dem Höhepunkt der verzweifelten Lage unzweideutig: Ich stehe treu zu meinem Bund, auch wenn ihr euch versündigt habt. Ich bin gnädig und vergebe! Die Gnade als Wesensart Gottes wirkt auch für Nichtjuden Rettung. Die israelitischen Kundschafter in Jericho versprechen der Rahab für ihre Hilfe: „Wenn der HERR uns das Land gibt, dann werden wir Gnade und Treue/Wahrheit (chessed & emet) an dir erweisen.“ (Josua 2,14)

Gesetz und Gnade: kein Gegensatz

Auf dem Sinai empfing Israel das Gesetz aus Gottes Hand und durfte nach der Anbetung des goldenen Kalbes die Gnade Gottes erfahren. Kein Wunder, dass Israel den Sinai liebt - als Symbol der Liebe und der Gnade Gottes, die Gottes absolute Zuverlässigkeit zwischen ihm und uns bezeugt. Gesetz und Gnade sind keine Gegensätze. Das Gesetz, durch das Menschen eine hohe Lebensqualität als Individuen, als Familien und als Staat erleben, ist Ausdruck der Gnade Gottes. Auf dieser Grundlage ist auch Jesus gekommen, wie es in Johannes 1,14+17 heißt: „Wir sahen seine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit.“ Israel sollte wissen: Gottes Wort bürgt für Leben. Jetzt ist Jesus da, ihr könnt ihn erleben, in seine Augen schauen, seine Worte hören, seine liebevolle Hand spüren – seine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit. Gott steht noch immer fest zu seinem Bund!

Als Mose mit der Botschaft von Gnade und Wahrheit zu seinem Volk kam, strahlte sein Gesicht. Aber Mose war nur ein Mensch. Ihm war das, was Jesus ausstrahlte, nicht eigen. In 2. Mose 34,6 lesen wir auch das Wort rachamim, was barmherzig bedeutet. Es wird von dem Wort für Mutterleib hergeleitet: In diesem hebräischen Wort klingt an, was eine Mutter empfindet, wenn sie ihr gerade neugeborenes Kind zappelnd und noch blutig vor sich liegen sieht. Dasselbe empfindet Gott für uns in seiner Gnade, seiner chessed! Wenn Jesus die Menschen voller Mitleid ansah, strahlte er Gnade und Wahrheit aus.

Gottes Gnade

In Verbindung mit dem ewigen Bund zwischen Gott und Israel gewinnt der Ausdruck Gnade und Wahrheit eine überragende Bedeutung. Gott wird seinen chessed–Bund nie brechen, auch wenn Israel untreu ist! Auch wenn die Propheten selten chessed anführen, ist das göttliche Prinzip klar. Paulus erklärt das im Römerbrief, Kapitel 9-11, und schreibt auch an Timotheus: Wenn wir untreu sind, ist Gott doch treu, er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2. Timotheus 2,13) Gottes Gnade ist aktiv, sozial und ewigwährend. Er schenkt seine Gnade (Micha 7,20), erinnert sich an sie (Psalm 25,6), lässt sie andauern (Jeremia 31,3), sendet sie (Psalm 57,4), zeigt sie (Psalm 85,8), macht sie groß (Psalm 103,11), er kann sie auch wegnehmen (Jeremia 16,5) oder ihr befehlen (Psalm 42,9). Wir können sie durch unsere Liebe, chessed, erwidern.

Was chessed auch bedeuten kann

Zuletzt ein interessantes Detail. Prof. Shmuel Safrai erklärt die Bedeutung der Bezeichnung Worte der Gnade, mit denen Jesus‘ Worte in der Synagoge von Nazareth in vielen Bibelübersetzungen beschrieben werden: „Sie gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade ...“ (Lukas 4,22) Nur wenige Verse später berichtet Lukas, dass alle Synagogenbesucher Jesus voller Zorn umbringen wollten (Lukas 4,28-29). Wir sind verwirrt. Wie kann Begeisterung so schnell in Hass umschlagen? Worte der Gnade heißt im Hebräischen divrei chessed. Ihre wahre Bedeutung ist: falsche, üble Lehre. Chessed kann demnach auch etwas Negatives ausdrücken, wie in Sprüche 14,34 deutlich wird: Gerechtigkeit erhöht eine Nation, aber Sünde ist die Schande (chessed) der Völker.“ Diesen Zusammenhang sieht der hebräische Übersetzer sofort. Aber wer einen griechischen Satz übersetzt, kann das hebräische Idiom dahinter oft nicht erkennen. Die Leute in Nazareth sind sofort wütend, weil Jesus die Jesaja-Worte auf sich bezieht und weil sie das für eine falsche Lehre halten. Für sie ist er nur der Sohn Josephs.

Zur Eingangsfrage „Gibt es Gnade im Alten Testament?“ können wir festhalten: Ja, sehr viel. Gottes chessed ist so groß, dass sogar Heiden davon profitiert haben - zum ewigen Leben.

 

Buchtipp: „Der Jude Paulus“ von Horst Krüger

Der Jude Paulus verfasste seine Briefe an die Gemeinde in Rom auf Griechisch. In seinem Buch „Der Jude Paulus - Sein Brief an die Römer“ hilft uns Horst Krüger, Paulus besser zu verstehen, indem er fragt: Was mag der Apostel wohl auf Hebräisch gemeint haben?

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Wurde Israel aufgebaut, um erneut zerstört zu werden?

Wehe! Denn groß ist jener Tag, keiner ist wie er, und es ist eine Zeit der Bedrängnis für Jakob; doch wird er aus ihr gerettet werden.“ (Jeremia 30,7)

 

Vor ein paar Jahren hörte ich die Predigt eines bekannten Bibellehrers. Er sagte zusammengefasst etwa Folgendes: „Das jüdische Volk hat die Lektionen aus dem Holocaust noch nicht gelernt. Daher muss es noch mehr Leid erleben. Im Vergleich dazu wird der Holocaust unbedeutend erscheinen.“ Eine ähnliche Aussage, die immer wieder gemacht wird, lautet: „Zwei Drittel aller Juden werden in der großen Trübsal umkommen.“ Mit anderen Worten: Das schlimmste Kapitel der jüdischen Geschichte liegt noch vor uns. Oder, um es direkter zu formulieren: Gott bringt das jüdische Volk zurück in seine Heimat Israel, um zwei Drittel in einem massiven Feuersturm zu töten. Diese These wird normalerweise mit unheilvollen Ankündigungen der Propheten des Alten Testaments verknüpft, die diese Ansicht zu untermauern scheinen. Eine dieser Passagen ist der oben genannte Vers aus dem Propheten Jeremia, der über die „Zeit der Bedrängnis für Jakob“ spricht. Andere Bibelstellen, die als Belege herangezogen werden, sind Sacharja 13,8+9 sowie Hesekiel 5. Beide handeln von einer Zeit, in der zwei Drittel der Bewohner des Lands vernichtet werden.

 

Der prophetische Kontext
Ich persönlich habe große Vorbehalte gegen diese Art der Interpretation, weil ich glaube, dass diese Passagen aus ihrem Kontext gerissen werden. Und was noch wichtiger ist: Die oben genannten Deutungen stellen den Charakter Gottes und seine aktuellen Absichten für Israel falsch dar. Zudem zeigt die Bibel, dass die „Zeit der Bedrängnis für Jakob“ und die Vernichtung von zwei Dritteln der israelischen Bevölkerung zwei verschiedene Ereignisse in der jüdischen Geschichte betreffen. Das werde ich im Folgenden erläutern.

 

     A. Jeremia und Jakobs Bedrängnis

Das 30. Kapitel des Propheten Jeremia ist die Einleitung zu einer Abfolge großartiger biblischer Vorhersagen (30-33) über die Wiederherstellung Israels. Sie finden ihren Höhepunkt in einem „neuen Bund“, der Herzen verändert, und in der Herrschaft eines „Sprosses der Gerechtigkeit“. Gott stellt sicher, dass diese Verheißungen nicht verlorengehen, sondern künftigen Generationen bekanntwerden. Er weist Jeremia nämlich ausdrücklich an, diese Worte niederzuschreiben, „denn es kommt die Zeit, in der ich das Schicksal meines Volkes wieder zum Guten wende. Ich bringe die Israeliten und die Judäer zurück in das Land….“ (30,2+3).

 

Dann erläutert Gott ab Vers 4, in welcher Reihenfolge er dieses Erlösungswerk vollbringen wird. Zunächst sieht man ein Bild der Verzweiflung und großer Not: „Angstgeschrei und Entsetzen” machen sich breit. Dann folgt der Ausruf: „Wehe! Denn groß ist jener Tag, keiner ist wie er, und es ist eine Zeit der Bedrängnis für Jakob…“ (30,7) Direkt danach beginnt das Wiederherstellungsprogramm Gottes sich zu entfalten. Der Herr kündigt an, dass es Veränderungen geben wird. Er wird das Joch der Bedrückung zerbrechen (30,8), bis Israel schließlich Gott und seinem Messias dienen wird. Er fährt fort:

 

„Fürchtet euch nicht, ihr Nachkommen von Jakob, meine Diener! … Denn ich, der HERR, verspreche euch: Aus einem fernen Land werde ich euch zurückholen. Ja, ich befreie eure Nachkommen aus dem Land, in dem sie Gefangene sind. Dann werdet ihr in Frieden und Sicherheit leben, niemand bedroht euch mehr. “(30,10)
 

Eine ähnliche Abfolge von Ereignissen finden wird im darauffolgenden Kapitel 31. Dort erklärt der Prophet: „Das Volk derer, die dem Schwert entronnen sind, hat Gnade gefunden in der Wüste…“ (31,2) Israel entrann dem Schwert und Gott rettete sie. Auf diese Erklärung folgt erneut das Versprechen der Rückkehr aus dem Exil: „Siehe, ich bringe sie herbei aus dem Land des Nordens und sammle sie von dem äußersten Ende der Erde, …als eine große Volksversammlung kehren sie hierher zurück“ (31,8). Das deutet darauf hin, dass die „Zeit der Bedrängnis Jakobs“ eine beispiellose Katastrophe darstellt („kein Tag ist wie er“), während sich Israel noch im Exil befindet. Aus dieser Krise heraus bringt Gott sie wieder in ihr Land zurück.


Genau diese Entwicklung können wir an der modernen Geschichte Israels ablesen: Ein Volk, das mit knapper Not seiner vollständigen Vernichtung im Holocaust entkommen ist und sechs Millionen Tote zu betrauern hat, erhebt sich aus der Asche dieser großen Tragödie. Es kehrt in seine Heimat zurück, um die Nation Israel wiederherzustellen, genau, wie es der Prophet Hesekiel vorausgesagt hatte:

 

„Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine, sie sind das ganze Haus Israel. Siehe, sie sagen: Unsere Gebeine sind vertrocknet, und unsere Hoffnung ist verloren; es ist aus mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr, HERR: Siehe, ich öffne eure Gräber und lasse euch aus euren Gräbern heraufkommen als mein Volk und bringe euch ins Land Israel.“ (Hesekiel 37,11+12)

 

Der Holocaust war tatsächlich das dunkelste Kapitel der jüdischen Geschichte. Es war eine Zeit der Bedrängnis für Jakob. Alle Historiker sind sich einig, dass diese Tragödie in der Menschheitsgeschichte einzigartig ist. Doch aus dieser Zeit der Verwüstung und Hoffnungslosigkeit rettete Gott sein Volk und brachte es in sein Land zurück.

 

     B.  Hesekiel und die verstreuten Haare

Hesekiel war der erste Prophet, der die Katastrophe vorhersagte, dass nämlich zwei Drittel der Volkes Israel umkommen würden (Hesekiel 5,1-4). Er prophezeite über diese Geschehnisse während des babylonischen Exils. Gott forderte ihn auf, eine merkwürdige Handlung vorzunehmen, um zu zeigen, was kommen würde: Mit einem Schermesse sollte er seine Haare und seinen Bart abschneiden! Dann hieß es: „Ein Drittel sollst du mitten in der Stadt mit Feuer verbrennen, … und ein Drittel sollst du nehmen und es rings um sie her mit dem Schwert schlagen; und ein Drittel sollst du in den Wind streuen!“ (5,2)„Das ist Jerusalem!“, erklärt ihm der Herr. Die Bevölkerungsmehrheit von zwei Dritteln würde durch Hunger, Gericht und Krieg sterben, während das verbleibende Drittel keine Erlösung fände, sondern in die ganze Welt zerstreut würde; selbst im Exil wären sie heftiger Verfolgung ausgesetzt (5, 2-4).

 

     C.  Sacharja und der Hirte

Zu Lebzeiten des Propheten Sacharja kehrte Israel aus Babylon zurück. Die Kapitel 12-14 berichten über den endzeitlichen Kampf um Jerusalem und die Wiederherstellung der Stadt. Höhepunkt dieses Prozesses wird die Erlösung Israels sein, wenn „der Geist der Gnade und des Flehens“ über ihnen ausgegossen wird. Doch zwischen diese Weissagungen fügte der Prophet eine Vision über den Messias ein…

 

„Wach auf, Schwert, gegen meinen Hirten und gegen den Mann, der mein Gefährte ist!, spricht der HERR der Heerscharen. Schlage den Hirten, dass die Schafe sich zerstreuen! Und ich werde meine Hand den Kleinen zuwenden.“ (Sacharja 13,7)


Jesus selbst zitiert diese Schriftstelle (Markus 14,27). Dabei sieht er ihre Erfüllung in den Geschehnissen im Garten von Gethsemane, als seine Jünger flohen und ihn in seinem Leiden allein ließen. Allgemeiner gesehen ist es auch ein Bild für das gesamte Volk Israel. Es wurde drei Jahrzehnte nachdem Christus, der große Hirte „geschlagen“ wurde und starb, in alle Welt zerstreut. In diesem Zusammenhang sagt Sacharja tragische Zeiten für ganz Israel voraus: „Und es wird im ganzen Land geschehen, spricht der HERR, zwei Teile davon werden ausgerottet, verscheiden, und nur der dritte Teil davon bleibt übrig.“(Sacharja 13,8)
 

Der jüdische Historiker Josephus Flavius berichtet, dass vor der Zerstörung des Tempels zirka 1,1 Millionen Juden während des ersten jüdischen Aufstandes ihr Leben im Land Israel verloren. Nur wenige Jahrzehnte später, während der Bar-Kochba-Revolte, beziffert der römische Historiker Cassius Dio die Anzahl der jüdischen Todesopfer auf 580.000 Personen. Die Überlebenden wurden ins Exil geschickt. Somit betrug die Gesamtanzahl der Getöteten in beiden Aufständen über 1,7 Millionen Menschen.

 

Der jüdische Historiker Salo Wittmayer Baron schätzt, dass die Bevölkerung Israels zur Zeit des römischen Kaisers Claudius (41-54 AD) zirka 2,3 Millionen Menschen ausmachte. Zwei Drittel davon wären zirka 1,5 Millionen. Es gibt also eine erstaunliche Übereinstimmung zwischen der säkularen Geschichtsschreibung und den Worten der hebräischen Propheten, die 500 Jahre zuvor verkündet worden waren. Sowohl die Geschichtsbücher als auch der prophetische Kontext des „geschlagenen Hirten“ veranlassen uns dazu, diese Ereignisse in der Vergangenheit zu verorten und nicht in der Zukunft.

 

Jesus selbst sah diese Katastrophe für Israel voraus und weinte über Jerusalem. „Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter alle Nationen“ (Lukas 21,24). Auch Sacharja weissagte über eine lange Zeit des Gerichts für Israel. Zwei Drittel würden sterben, während der Überrest durch das „Feuer“ des Exils hindurchgehen müsste; dann erst würde endlich ihre Erlösung kommen.

 

Es gibt also einen gemeinsamen roten Faden, der sich durch die Prophezeiungen in Jeremia 30-33, Hesekiel 5 und Sacharja 13 hindurchzieht. Der Prozess der Erlösung Israels beginnt mit der Ablehnung und dem Schlagen des Hirten. Darauf folgen riesige Turbulenzen im Land, in deren Verlauf zwei Drittel der Bevölkerung getötet und das verbleibende Drittel in alle Welt zerstreut werden. Dieses Exil ist durch das läuternde Feuer ständiger Verfolgung gekennzeichnet. Es findet seinen Höhepunkt in einer letzten Katastrophe außerhalb des Landes, die als „Jakobs Bedrängnis“ bekannt ist. Das Exil endet mit der Wiederherstellung des Staates Israel, auf die schließlich die geistliche Wiedergeburt der Nation folgt.  

 

Genau dieselbe Abfolge finden wir auch in den fantastischen Kapiteln 36 und 37 des Propheten Hesekiel, während Psalm 102 ebenfalls eine Zeit schwerer Prüfung voraussagt, die große Ähnlichkeit mit dem Holocaust hat. Danach erklärt Gott schließlich, dass die Zeit, Zion zu begnadigen gekommen sei.

 

Das neue Paradigma der Gnade für Zion

Von den Propheten erfahren wir, dass nichts den Wiederherstellungsprozess Israels mehr stoppen kann, wenn er einmal in Gang gesetzt wird. Sacharja prophezeit, dass Jerusalem zu einem „Taumelbecher“ für die Welt werden wird und dass sich die Länder dieser Erde schließlich gegen Jerusalem wenden werden. Doch derselbe Prophet verheißt, dass die Nationen gerichtet werden, während Israel Befreiung erfährt und am Ende als Sieger aus dem Konflikt hervorgeht.

 

Die Wiederherstellung Israels ist ein Paradigmenwechsel in Gottes Verhalten gegenüber dem jüdischen Volk. Der Prophet Jesaja beginnt seine Kapitel über die Wiederherstellung (40-48) mit dem Ausruf „Tröstet, tröstet mein Volk“ und der Aufforderung Israel zu verkünden, dass „sein Heeresdienst vollendet, dass seine Schuld abgetragen ist; denn es hat von der Hand des Herrn das Doppelte empfangen für all seine Sünden.“ (Jesaja 40,1+2) Diesen Ausdruck „dass seine Schuld abgetragen ist” könnte man aus dem Hebräischen auch übersetzen mit „es hat für seine Sünden bezahlt.” Statt um Gnade oder Vergebung geht es hier vielmehr darum, dass Gott sein Gericht an Israel abgeschlossen hat. Er handelt an seinem Volk nicht mehr so, wie es seinen Sünden entsprechen würde. Gott fordert die Welt dazu auf, Israel Folgendes zuzurufen: Dein Kriegsdienst und die Zeit des Gerichts sind vorbei! Eine neue Zeit der Wiederherstellung ist angebrochen!


Ganz ähnlich formuliert es Sacharja: „Nun aber will ich für den Rest dieses Volkes nicht wie in den früheren Tagen sein, spricht der HERR der Heerscharen… Ebenso wie ich mir vorgenommen hatte, euch Böses zu tun, als eure Väter mich zum Zorn reizten, spricht der HERR der Heerscharen, und ich es mir nicht leid tun ließ, so habe ich mir wieder vorgenommen, in diesen Tagen Jerusalem und dem Haus Juda Gutes zu tun. Fürchtet euch nicht.” (Sacharja 8,11-15) Das bedeutet, dass Gott einen unumkehrbaren Wiederherstellungsprozess eingeleitet hat. Er stellt eine radikale Veränderung in seinem Verhalten zu Israel dar. Das bedeutet nicht, dass er Israel nie wieder korrigieren würde, wie ein liebender Vater es seinem Sohn gegenüber tut, doch es wird „mit rechtem Maß“ geschehen (Jeremia 30,11).

 

Der Weg zur Erlösung

Schließlich stellt die Annahme, dass Israel seinen Messias nur durch eine weitere Zeit schweren Gerichts empfangen wird, den Charakter Gottes und sogar der Menschheit falsch dar. Normalerweise führen große menschliche Katastrophen nicht zur Buße, sondern zum genauen Gegenteil. Nach der schlimmsten aller Plagen verhärtete der Pharao sein Herz nur noch mehr. Das Buch der Offenbarung zieht eine Parallel zur Endzeit und beschreibt die Menschheit in einem Zustand hoffnungsloser Rebellion gegen Gott – selbst nachdem sein großer Zorn sich über sie ausgießt: „…und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken.“ (Offenbarung 16,11)

Das katastrophale Gericht, das im Jahr 70 n.Chr. über Israel hereinbrach, war nicht Gottes Art, sein Volk zu sich zurückzurufen; vielmehr war es ein Ausdruck dessen, dass das Maß ihrer Sünden voll war und nach göttlicher Gerechtigkeit verlangte. Jesus erklärte: „Seht, euer Haus wird verlassen sein und verwüstet daliegen.“ (Matthäus 23,38)

 

In ähnlicher Art und Weise führte die große Tragödie des Holocaust nicht dazu, dass die meisten Juden Gott gesucht hätten. Sie fragten vielmehr: „Wo war Gott?“ Viele von ihnen verloren ihren Glauben. Wie ein Holocaustüberlebender mir einmal sagte: „Für mich ist Gott in Auschwitz gestorben.“ Der Apostel Paulus erklärte andererseits, dass uns „die Güte Gottes zur Umkehr leitet.” (Römer 2,4)

 

Gott erlöst sein Volk, indem er seinem Bund treu bleibt und es in seiner ewigen Lieben wiederherstellt (Jeremia 31,2). Im Gegensatz dazu besteht die Botschaft, die Gott in unseren Tagen an die Nationen richtet, nicht darin, dass er Israel weiteres Gericht ankündigen würde. Vielmehr erklärt er: „Höret, ihr Völker, des HERRN Wort und verkündet's fern auf den Inseln und sprecht: Der Israel zerstreut hat, der wird's auch wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde. „(Jeremiah 31,10) Das kann natürlich auch wohlüberlegte erzieherische Maßnahmen durch den Stab des guten Hirten beinhalten, doch diese Disziplinierung wird das Volk auf grüne Weiden führen.

 

Zu diesem Auftrag sieht sich die Christliche Botschaft verpflichtet: Israel und den Nationen Gottes Gnade und seine Treue zu verkündigen. Wir erklären, dass eine neue Zeit der Wiederherstellung angebrochen ist. Wir fordern die Christenheit dazu auf, mit Gott an diesem großen Werk der Wiederherstellung Israels zusammenzuarbeiten. Unsere Berufung besteht darin „Gottes Volk zu trösten“ und Israel zu verkündigen, dass ein neues Kapitel begonnen hat. Es wird nicht zu weiterem Gericht führen, sondern dazu, dass ganz Israel gerettet wird!

„Israel“ aus der Bibel löschen?

Im April berichteten Christen in Dänemark von einer neuen Bibelübersetzung der dänischen Bibelgesellschaft, die hunderte Erwähnungen „Israels“ im Alten wie im Neuen Testament weglässt oder ersetzt.

„Israel“ mehr als 250-mal „bearbeitet“

In der „Zeitgenössischen Dänischen Bibel 2020“ ist bei 58 der rund 60 Nennungen Israels im Neuen Testament je nach Gebrauch „Israel“ weggelassen oder mit „Juden“ bzw. „Land der Juden“ oder anderen Ausdrücken ersetzt worden. So wurde Matthäus 15,31 „und sie priesen den Gott Israels“ zu „und sie priesen Gott“ geändert. Im Alten Testament wurde „Israel“ an rund 200 Stellen ersetzt, ca. 10% aller Nennungen Israels. Hier wird z.B. Psalm 121,4: „Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht“ in der „Bibel 2020“ mit „siehe, unser Hüter schläft noch schlummert nicht“ wiedergegeben.

Die dänische Bibelgesellschaft betont, man beabsichtige mit der „Bibel 2020“, säkulare und kirchenfremde Menschen, denen zahlreiche biblische Ausdrücke fremd seien, mit der Liebe Gottes zu erreichen. Die Leser sollen nicht irrtümlicherweise das biblische Israel mit dem heutigen Israel verwechseln. Dies rechtfertigt jedoch niemals einen solchen Angriff auf die Unversehrtheit der Heiligen Schrift und ihren ewigen Wahrheitsgehalt. Da die meisten nationalen Bibelgesellschaften weltweit die breite Unterstützung gläubiger Christen genießen, ist es wichtig, dass wir angesichts dieser fehlgeleiteten Bibelübersetzung unsere Stimme erheben.

Direkt zur Petition an die dänische Bibelgesellschaft

Die Unantastbarkeit der Heiligen Schrift

Zuerst müssen wir respektieren, dass die Heilige Schrift unantastbar ist – ihre eigentliche, wesentliche Bedeutung darf niemals verändert werden. In Jeremia 1,12 lesen wir, dass Gott selbst über seinem Wort wacht und dass er danach handeln wird. Über Jahrtausende hinweg hat das Volk Israel die Bibel, die mehrheitlich von jüdischen Autoren niedergeschrieben wurde, mit großer Sorgfalt erhalten und bewahrt. Ein Beispiel dafür sind die Schriftrollen vom Toten Meer, die Mitte des 20. Jahrhunderts bei Qumran entdeckt wurden. Sie belegen, dass die Heilige Schrift, die wir heute in unseren Händen halten, mit den mehr als 2.000 Jahre alten Texten von Qumran übereinstimmt. Nichts wurde verändert.

Die Übersetzung der Bibel in andere Sprachen kann viele Herausforderungen mit sich bringen, insbesondere, wenn es um bestimmte hebräische und griechische Worte geht, die weniger gebräuchlich sind oder mehrere Bedeutungen haben. Aber „Israel“ ist „Israel“ und es besteht kein Bedarf und kein Grund, dies jemals zu ändern.

Israels Rolle in Gottes Heilsplan

Zweitens ist es nicht möglich, die Nation und das Volk Israel aus ihrer zentralen Rolle zu entfernen, die sie in Gottes Heilsplan für die gesamte Menschheit innehaben, was in den hebräischen und griechischen Schriften durchgehend bestätigt wird. Das Neue Testament stimmt mit dem Alten Testament überein, dass Gottes Erwählung des Landes und des Volkes Israel untrennbar zusammengehören und weiterhin Bestand haben. Die dänische Bibelgesellschaft jedoch versucht, diese Verbindung im Verständnis der Menschen zu durchtrennen. Dies würde die vielen Verheißungen Gottes zur endzeitlichen Wiederherstellung Israels wirkungslos machen und würde bedeuten, dass Gott untreu oder nicht vertrauenswürdig ist, seine Versprechungen zu halten. Dies würde Gott als Lügner darstellen!

Es ist eine Sache, biblische Passagen so zu interpretieren, dass man das jüdische Volk seiner einzigartigen Rolle in der Heiligen Schrift oder seines unwiderruflichen Erbteils im Land Israel beraubt. Dies ist ein schwerer Fehler, den viele Christen seit Jahrhunderten begehen. Aber biblische Passagen so zu übersetzen, dass Schlüsselverweise auf Israel entfernt werden, ist eine noch viel größere Verzerrung. Wo wird dies enden? Wird eines Tages das Wort „Gemeinde“ mit dem Namen einer politischen Bewegung ersetzt werden? Oder wird man den Namen Jesus mit dem Namen eines falschen Erlösers ersetzen?

Der „Gott Israels“

Auch würde man Gott seiner eigenen Identität berauben, da er sich wiederholt selbst als „Gott Israels” bezeichnet (vgl. 2. Mose 5,1; 2. Samuel 12,7; Psalm 72,18; Jesaja 45,3; Jeremia 31,23; Hesekiel 44,2; Maleachi 2,16; Matthäus 15,31; Lukas 1,68; Apostelgeschichte 13,17). Er war der Gott eines alten Volks namens Israel, aber er gab diesem Volk auch ein besonderes Land als „ewigen Besitz” (1. Mose 17,8), pflanzte es in dieses Land, damit es zu einer einzigartigen Nation auf Erden würde, und versprach, in diesem Land über dieses Volk zu wachen. Einige mögen nicht einverstanden sein mit dem, was die heutige Nation Israel tut, aber Gott hat das jüdische Volk in sein ewiges Heimatland gebracht, um dort große und wunderbare Dinge mit ihm zu wirken, die der ganzen Welt zum Segen sein werden.

Das internationale Netzwerk der Bibelgesellschaften ist in der christlichen Welt hoch angesehen dafür, dass es seiner wichtigen Mission nachkommt, Gottes Wort allen Völkern und Nationen in ihrer Muttersprache zugänglich zu machen. Aber die dänische Bibelgesellschaft hat sich nun mit diesen beunruhigenden und inakzeptablen Handlungen nicht mit Ruhm bekleckert. Sie muss die Unversehrtheit der Heiligen Schrift anerkennen, indem sie diese höchst fehlerhafte Bibelübersetzung aus dem Umlauf nimmt.

Stellen Sie sich heute an die Seite Israels und des Wortes Gottes!

Im Lauf der Geschichte hat es immer wieder Versuche gegeben, die Bibel zu verändern und Israel und das jüdische Volk aus der Bibel zu entfernen – auch in Deutschland. Stellen wir uns heute an die Seite Israels und des Wortes Gottes!

Zur Petition an die dänische Bibelgesellschaft

Weitere Informationen zur "Bibel 2020" finden Sie bei der Bibelgesellschaft in Israel (auf Englisch).


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Stellungnahme der ICEJ zu Israels Annexionsplänen

Seitdem die neue israelische Regierung nun endlich vereidigt wurde, ist die Debatte, ob Israel Teile Judäas und Samarias gemäß der Bedingungen des Trump-Friedensplans „annektieren“ sollte, in vollem Gange – im Inland wie im Ausland.

Foto: GPO: Benjamin Netanjahu und Donald Trump, 28. Januar 2020

Inmitten der sich entwickelnden Debatte respektiert die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) die israelische Demokratie und das Recht der israelischen Staatsbürger, über diese weitreichenden nationalen Angelegenheiten zu entscheiden. Dennoch ist uns bewusst, dass nicht jeder Israel denselben Respekt entgegenbringen wird. Daher stehen wir zu Israels historischem Anspruch auf die betreffenden Gebiete und Israels Recht, diese Entscheidungen frei von unberechtigten Einmischungen, Druckausübungen oder Drohungen zu treffen.

Der Ausdruck „Annexion“ ist in diesem Fall genau genommen eine Fehlbezeichnung, da er üblicherweise die gewaltsame Einnahme des Gebiets eines anderen bezeichnet. Jedoch hatte Israel bereits einen legitimen historischen Anspruch auf Judäa und Samaria, noch bevor es 1967 in einem Akt der Selbstverteidigung in Besitz dieses Gebiets gekommen ist. Die Frage, die sich Israel nun stellt, ist, ob es seinen Souveränitätsanspruch voll geltend macht, indem es seine Rechtsprechung auf bestimmte Teile dieses Gebiets ausweitet.

Der Anspruch des jüdischen Volks auf das Land Israel wurde von der internationalen Gemeinschaft auf der San Remo Konferenz 1920 und in den Mandatsentscheidungen des Völkerbunds 1922 anerkannt. Dabei handelte es sich nicht um das Erteilen eines neuen Rechtsanspruchs auf das Land, sondern um die Anerkennung des bereits existierenden Anspruchs des jüdischen Volks: Als alteingesessenes Volk war es darum bemüht, seine nationale Souveränität im Land seiner Vorfahren wiederherzustellen. Dieses Recht auf Souveränität über das Land Israel – einschließlich der Gebiete, die heutzutage oft Westjordanland genannt werden, – ist seitdem weder aufgehoben noch für ungültig erklärt worden.

Faktisch ist Israels völkerrechtlicher Anspruch auf Judäa und Samaria heutzutage genauso gültig wie die Souveränitätsansprüche des Libanons, Syriens und des Iraks auf ihre jeweiligen Länder, denn ihr Besitzanspruch entstammt demselben Ursprung. Das heißt, dieselben Entscheidungsträger beschlossen in denselben grundlegenden Vorgängen, die jeweiligen Rechte dieser Nationen basierend auf denselben Rechtsgrundsätzen anzuerkennen.

Ihrem Wesen nach schließt Souveränität auch das Recht mit ein, Gebiete abzutreten. Das israelische Volk muss nun entscheiden, ob es sein Recht auf bestimmte Teile Judäas und Samarias geltend macht und andere Gebiete den Palästinensern, die ebenfalls einen Anspruch erheben, um des Friedens willen abtritt. Traurigerweise wurden bisherige Bestrebungen Israels, Frieden durch die Abtretung umstrittener Gebiete an die Palästinenser zu erreichen, mit Ablehnung, Gewalt und Blutvergießen beantwortet.

Der Trump-Friedensplan stellt eine klare Abkehr von diesen gescheiterten Friedensbemühungen der Vergangenheit dar. Er kehrt den Trend der vergangenen Jahrzehnte, in denen die internationale Gemeinschaft nach und nach Israels Rechte und Standpunkte aushöhlte, ohne Zugeständnisse seitens der Palästinenser einzufordern, um. Er stellt auch – zum ersten Mal – die wahren Absichten der Palästinenserführung auf den Prüfstand.

Der Trump-Plan bietet Israel viele Vorteile. Aber er würde auch schmerzhafte Zugeständnisse verlangen und enorme Sicherheitsrisiken mit sich bringen. Es gibt zudem zahlreiche andere Faktoren, die zu berücksichtigen sind, wie die Auswirkungen in der Region und US-Präsident Donald Trumps Chancen auf eine Wiederwahl. Aber diese Entscheidungen muss das israelische Volk treffen. Wie sie auch ausfallen mögen, die Leitung und die weltweiten Unterstützer der ICEJ werden Israel in einer verantwortungsvollen, konstruktiven Rolle als treue Freunde und Unterstützer zur Seite stehen.

 


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Der verheißene Geist

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen... Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. (Jeremia 31, 31+33)

An diesem Wochenende feiern wir das biblische Fest Schawuot. In christlichen Kreisen ist es als Pfingstfest bekannt und wird oft als die Geburtsstunde der Kirche bezeichnet. Über viele Jahrhunderte betrachtete man Pfingsten als den Beginn einer neuen Institution, die das Volk Israel ersetzt oder abgelöst hatte. Das war das Verständnis der meisten traditionellen Kirchen im Verlauf der Kirchengeschichte. Die Annahme war, dass Gott mit Israel als seinem Volk abgeschlossen hatte und wir, die Kirche, das neue und bessere Volk Gottes seien. Viele Christen waren der Ansicht, dass Gott sein Volk enterbt und dementsprechend ein „Neues Testament“ geschrieben hatte, indem er den Segen von Israel nahm und ihn auf die neue Heiden-Kirche regnen ließ.

Eine neue Realität

Als Paulus seine Briefe an die Gemeinden in Kleinasien, Griechenland und Rom schrieb, betrachtete er sein Schreiben jedoch nicht als die Kapitel eines neuen Buches namens „Neues Testament“. Für die Gläubigen der ersten Gemeinde war der Begriff „Neues Testament“ nicht der Titel eines Buchs oder der Name einer neuen religiösen Bewegung. Für sie beschrieb er vielmehr eine neue geistliche Realität, die ihr Leben auf dramatische Weise formte und veränderte. Der „Neue Bund“ beschreibt eine Erfahrung, auf die das jüdische Volk seit vielen Jahrhunderten gewartet und gehofft hatte. Es war eine wesentliche Erfüllung der prophetisch angekündigten Erlösung, die Israel seit Generationen erwartete. Die Person, die den Begriff „Neuer Bund“ ursprünglich prägte, war nicht Jesus oder die ersten Apostel, sondern einer der großen hebräischen Propheten – Jeremia.

Die Wiederherstellung Israels

Jeremia kündigte nicht nur die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und das babylonische Exil an, er war auch einer der größten Verkünder einer herrlichen, zukünftigen Wiederherstellung Israels. Die bekannteste Schriftstelle zu dieser Wiederherstellung findet sich in Jeremia, Kapitel 30-33, wo Gott seine „ewige Liebe“ zu Israel bestätigt (31,3) und verspricht, es wieder aus dem „Norden“ und von den „Enden der Erde“ in ihr Land zurückzubringen (31,8). Dieser Prozess der Wiederherstellung Israels ist eine Botschaft, die den Nationen verkündet werden muss, ja, sogar den entlegensten Regionen der Erde: „Der Israel zerstreut hat, der wird's auch wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde“ (31,10). Gott bekräftigt sogar durch Jeremia, dass er mit derselben Entschlossenheit, mit der er Israel zerstreut hatte, es wieder sammeln, aufbauen und in das Land pflanzen würde (31,28).

Als Höhepunkt dieses Wiederherstellungsprozesses kündigt Gott durch Jeremia etwas Brandneues an, das über die bloße Wiederherstellung der vergangenen Herrlichkeit Israels hinausgehen wird. Gott verkündet, dass ein herrlicher Neuer Bund bevorsteht!

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“ (Jeremia 31, 31-33)

Der „Neue Bund”

Der Begriff „Neues Testament” kommt aus der Vulgata, der lateinischen Übersetzung der Bibel, die vom Kirchenvater Hieronymus in Bethlehem zusammengestellt wurde. Er übersetzte „neuer Bund“ mit „neues Testament“ und dieser Ausdruck hat sich seitdem im Christentum gehalten.

Allerdings ist der Ausdruck „Neuer Bund” in vielerlei Hinsicht besser als „Neues Testament”, da er viel mehr eine Beziehung und weniger ein rechtliches Dokument beschreibt. Jeremia sieht für sein Volk eine neue Art der Beziehung voraus, die wie ein „Upgrade“ des Bundes vom Berg Sinai sein würde. Auf dem Berg Sinai gab Gott der Herr Israel ein Gesetz, das im Grundsatz makellos und geistlich war. Das Problem war aber nicht so sehr das Gesetz, sondern die Menschen. Israel – und mit ihnen die ganze Menschheit – tat sich schwer damit, Gottes Gebote zu erfüllen, so dass König David ausrief: „Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Psalm 14,3). Und dieser verheißene Neue Bund würde sich des größten Problems der Menschheit annehmen – des menschlichen Herzes.

Es ist der Heilige Geist, der diesen neuen Bund umsetzt. Hesekiel beschreibt es auf diese Weise: „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hesekiel 36,26-27)

Eine Herzensumwandlung

Dieser angekündigte Neue Bund würde eine tiefgreifende Veränderung des Herzens sein. Gott würde seine Thora („Gesetz“) nicht wie auf dem Berg Sinai auf Steintafeln, sondern auf Menschenherzen schreiben. Und gemäß Hesekiel würde diese Umwandlung von „steinernen Herzen“ in „fleischerne Herzen“ dadurch geschehen, dass der Heilige Geist auf Gottes Volk kommt.

Im Lichte genau dieses verheißenen Neuen Bundes muss Pfingsten verstanden werden.

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apostelgeschichte 2, 1-4)

Anders als auf dem Berg Sinai, als Gott im Feuer auf den Berg herabkam und Mose das auf Steintafeln geschriebene Gesetz gab, ließen sich im Obergemach Feuerflammen auf menschlichen Gefäßen nieder. Das Ergebnis war die Herzensumwandlung der ersten jüdischen Jünger. Ihr Leben änderte sich radikal.

Jesus lehrte, dass diese Umwandlung durch den Heiligen Geist so tiefgreifend ist, dass es sich anfühlen würde, als sei man „von neuem geboren“. Jesus machte diese berühmte Aussage gegenüber Nikodemus, einem der führenden Thora-Gelehrten seiner Zeit: „Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Johannes 3,3) Der Thora-Gelehrte war verwirrt: „Wie kann das sein? Kann ein Mensch wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?“ (vgl. Johannes 3,4+9). Jesus antwortete erstaunt: „Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht?“ (Johannes 3,10). Mit anderen Worten, als erfahrender Gelehrter der hebräischen Schriften hätte Nikodemus darüber Bescheid wissen müssen. Die Propheten waren erfüllt mit Verheißungen einer göttlichen Herzensumwandlung. Bereits Mose sehnte sich nach einer nationalen Ausgießung des Heiligen Geistes (4. Mose 11,29). Er sah eine Zeit voraus, in der Gott das Herz des Volkes beschneiden würde (5. Mose 30,6-8), so dass Israel infolgedessen seine Gebote befolgen würde.

Erfüllte Verheißung

Kurzum, das Kommen des Heiligen Geistes an jenem Pfingsttag war nichts unerwartet Neues, das jeden überrascht hätte. Es war verheißen, wurde erwartet und vorausgeahnt. Darum befahl Jesus seinen Jüngern, in Jerusalem zu bleiben und auf die „Verheißung des Vaters“ zu warten.

Als der Heilige Geist an Pfingsten endlich ausgegossen wurde, stand Petrus im Hof des Tempels auf und verkündete seinen jüdischen Zuhörern, dass dies die Verheißung war, die Gott ihnen und ihren Kindern gegeben hatte (Apostelgeschichte 2,39). Der Apostel Paulus bezeichnete den Heiligen Geist später als „verheißenen Geist“ (Galater 3,14; Epheser 1,13).

Den Juden zuerst

Das bedeutet, dass der Neue Bund und die Geburtsstunde der Kirche nicht die Enterbung Israels und die Übertragung eines Neuen Testaments auf die Heidenkirche waren – ganz im Gegenteil! Es war die Bundestreue Gottes zu seinem Volk Israel, alles, was er ihnen verheißen hatte, zu erfüllen. Als Gläubige aus den Heidenvölkern sollten wir darum nicht auf Israel herabsehen, sondern vielmehr dankbar sein, dass wir in diesen unglaublichen Segen des Heiligen Geistes mit eingeschlossen wurden, der zuallererst Israel und weniger den Heidenvölkern verheißen war. Paulus erklärte, dass das Evangelium Jesu Christi „den Juden zuerst und ebenso den Griechen“ gelte (Römer 1,16). Dasselbe trifft auch auf die Ausgießung des Heiligen Geistes zu, die zuerst den Juden verheißen war.

Wir müssen auch verstehen, dass die große Mehrheit der biblischen Verheißungen des Heiligen Geistes im Zusammenhang einer endzeitlichen Wiederherstellung Israels in seinem Land gegeben werden (Jesaja 44,3; Jeremia 31,31; Hesekiel 36 und 37, Joel 2,28; Sacharja 12,10-14 u.a.). Heute sehen wir wie Israel nach 2000 Jahren des Exils in einer unglaublichen Geschwindigkeit wiederhergestellt wird. Israel übertrifft sogar die Erwartungen vieler Christen, die an seine Wiederherstellung glauben. Wir können daher erwarten, dass Gott auch alle Verheißungen, die er Israel hinsichtlich der Ausgießung des Heiligen Geistes gemacht hat, erfüllen wird. Dies sollte an diesem Pfingstfest, bzw. Schawuot, unser Gebet sein.

Ein neues Wirken Gottes

Lasst uns das diesjährige Pfingstfest nicht einfach wie jedes Jahr begehen, sondern lasst uns Gott vertrauen, Neues zu wirken – insbesondere für Israel. Diese Corona-Krise hat eine weltweite Gebetswelle wie nie zuvor ausgelöst. Es herrscht eine nie zuvor dagewesene weltweite Erwartung auf einen neuen Durchbruch im Reich Gottes, wie ich sie bisher nicht erlebt habe. Lasst uns erwarten, dass Gott uns in diesem Jahr neu begegnet. Lasst uns auch dankbar sein, dass wir Teilhaber der wunderbaren Verheißungen Gottes sein dürfen, die er Israel gegeben hat, und dass er uns mit einbezogen hat, am unbeschreiblichen Segen des Geistes teilzuhaben.

Lasst uns den Heiligen Geist einladen, sein Werk in unserem Herzen zu tun. Erlauben Sie ihm, Ihr Herz zu verändern und umzugestalten. Wenn Sie es noch nie zuvor getan haben, laden Sie Jesus an diesem Pfingstfest ein und bitten Sie ihn, Ihr Herz mit seinem Heiligen Geist zu füllen. Sie werden nie wieder der- oder dieselbe sein!

 


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