Yad Vashem bekämpft Holocaustleugnung - interaktiv

Gefährliche Zweifel

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Lisa Rüdiger

War jüdisches Leiden während des Zweiten Weltkrieges wichtiger als das Leiden anderer Gruppen? Wo sind objektive Beweise für das Vorhandensein von Gaskammern und Krematorien in Auschwitz-Birkenau?

Mit diesen Fragen, die oft von Holocaust-Leugnern gestellt werden, „provozierte“ Ephraim Kaye, Pädagoge in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, dieses Jahr seine Zuhörer beim ICEJ-Laubhüttenfestseminar zum Thema „Holocaustleugnung“. Sehr interaktiv und dynamisch machte Kaye, der ursprünglich aus der Nähe von Boston stammt und seit über 20 Jahren für Yad Vashem arbeitet, die Seminarteilnehmer anhand eines Filmclips mit der Gedankenwelt der Holocaust-Leugner bekannt – um dann aufzuzeigen, wie diese gefährlichen Irrlehren auf intelligente Art und Weise widerlegt werden können.

„Holocaust-Leugnung ist ein neue Ausdrucksform des Antisemitismus nach dem Holocaust“, erklärte er. „Versuchen Sie nicht, Holocaust-Leugner selbst zu konfrontieren, es ist sinnlos. Sie werden vom Antisemitismus motiviert und sind sehr überzeugende Leute, die die Wahrheit nicht interessiert. Mit jemandem, der sagt ‚ich hasse die Juden’ kann man keine intelligente Konversation führen.“ Sehr wohl gebe es aber viele Menschen, die nicht genau wüssten, was während des Zweiten Weltkrieges passiert sei. Dort mache es Sinn anzusetzen, so der Vollblutpädagoge, der selbst Schüler, Soldaten und Lehrer sowohl aus Israel als auch dem Ausland in Yad Vashem unterrichtet.

Die Wichtigkeit dieser Arbeit ist laut Kaye nicht zu unterschätzen, da die Zeitzeugen immer weniger würden und sich gleichzeitig Holocaust-Leugnung im Internet massiv ausbreite. „Geben Sie einfach das Wort ‚Holocaust’ in ihre Google-Suchmaschine ein“, erklärte Kaye. „Die ersten 60 englischen Seiten, die dann aufgelistet werden, stammen von Holocaust-Leugnern. Und welcher junge Mensch besucht heute noch eine Bibliothek? Nahezu alle Informationen werden mittlerweile aus dem Internet abgerufen.“

Dem Problem, dass die Nazis wenig konkrete Beweise in Form von Asche, Leichenteilen oder Kleidung an den Stätten des Grauens zurück ließen, begegnet Kaye mit umfangreicher historischer Dokumentation aus deutschen und anderen Quellen. „ Die Deutschen waren sehr gute Bürokraten, von jedem Dokument gab es wenigstens eine weitere Kopie“, erklärte er.

Anhand der sog. Jäger-Liste, dem Bericht des SS-Mannes Karl Jäger von der Einsatzgruppe E, zeigte er auf, mit welcher grausamen Genauigkeit die Nazis die Ermordung jedes einzelnen Juden nach Ort, Datum, Geschlecht und Alter genau festhielten. Männer, Frauen und Kinder wurden gesondert aufgeführt. Auch vor kurzem in den USA veröffentlichte Dokumente des Britischen Militärgeheimdienstes, dem es (mit polnischer Hilfe) gelungen war, den deutschen Enigma-Verschlüsselungscode der Wehrmacht zu dechiffrieren, listen die Ermordeten akribisch auf.

„Kein Jude hat jemals behauptet, ich bin wichtiger. Aber diese Einteilung in Männer, Frauen und Kinder macht es sehr deutlich, dass die Endlösung der Judenfrage für die Nazis die wichtigste Frage war. Es waren die Deutschen, die Nazis, die beschlossen hatten, dass die Juden die wichtigsten Opfer des Zweiten Weltkrieges werden sollten“, schloss Kaye seinen Vortrag.

Die Christlichen Freunde Yad Vashems, die neue Abteilung der ICEJ in Yad Vashem , geleitet von Dr. Susanna Kokkonen, fördern insbesondere die Aus- und Weiterbildung von Pädagogen, damit Holocaust-Leugnung effektiv widerlegt werden kann . Bitte unterstützen Sie auch weiterhin diese wichtige Arbeit durch Ihre Spenden und Gebete! Als Verwendungszweck bitte „Christliche Freunde Yad Vashems“ angeben.