Bileam am Rand des Lagers Israels

Die richtige Sichtweise auf Gottes Volk wählen

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Posted on: 
3 Mär 2020
Bileam am Rand des Lagers Israels

Eine der wohl tragischsten Figuren in der Bibel ist der Prophet Bileam. Er war ein „gemieteter“ Prophet, der mit Ruhm, Ehre und Geld gelockt wurde, das Volk Gottes zu verfluchen. Drei Mal nennt das Neue Testament ihn als Warnung und Beispiel für einen ähnlichen Schlag böser Propheten, die in der Gemeinde der Endzeit in Erscheinung treten werden (2. Peter 2,13; Judas 1,11; Offenbarung 2,14). In vieler Hinsicht ist die Geschichte Bileams ein Beispiel dafür, wie Satan heute noch versucht das Volk Gottes anzugreifen – sowohl Israel als auch die Gemeinde Jesu. Dieselbe Strategie wiederholt sich im Laufe der Geschichte in der Art und Weise, wie Nationen und Einzelpersonen das jüdische Volk behandeln. Sie wird auch von Satan gegen die Gemeinde eingesetzt – mittels Angriffen von innen und von außen.

Foto: "Bileam und die Eselin", Rembrandt van Rijn, gemeinfrei

 

 

Die Geschichte beginnt als Israels 40-jährige Wüstenwanderung endet. Die Nationen in und um Kanaan herum nahmen das Volk Israel zunehmend als eine große Bedrohung war. Nachdem sie erfolgreich Angriffe des kanaanäischen Königs von Arad (4. Mose 21,1-3) und der Amoriter (4. Mose 21,21-31) abgewehrt hatten, stand Israel nun am Jordanufer gegenüber von Jericho, kurz davor, in seine Bestimmung – das Land Israel – hineinzukommen. Dann sagt uns die Bibel: „Und Balak, der Sohn Zippors, sah alles, was Israel den Amoritern angetan hatte. Und die Moabiter fürchteten sich sehr vor dem Volk, weil es groß war, und den Moabitern graute vor den Israeliten.“ (4. Mose 22,2-3)

Der Name des moabitischen Königs Balak lässt sich am besten mit „Verwüster“ übersetzen. Balak sah seinen Einfluss schwinden und traf eine denkwürdige Entscheidung. Anders als der König der Kanaaniter und die Amoriter griff er nicht auf seine Armee und Kampferfahrung zurück, sondern suchte nach einer geistlichen Lösung – einem Fluch. Er ließ Bileam rufen, einen erfahrenen Propheten, der bekannt dafür war, mit Jahwe, dem allmächtigen Gott, in Verbindung zu stehen. Jüdischer Tradition zufolge war Bileam unter den Heidenvölkern ebenso angesehen wie Mose in Israel.

Obwohl Gott ihn wiederholt warnte, Balaks Einladung nicht zu folgen, bestand Bileam darauf, ein geistliches Schlupfloch zu finden, um das Volk Israel zu verfluchen. Selbst ein sprechender Esel konnte ihn nicht davon abbringen. Als Bileam in Moab eintraf, bereit seine Mission zu erfüllen, geschah etwas, das einer Lehrstunde über Satans Taktik gegen Gottes Volk gleichkommt.

 

Satans Standpunkt

Unmittelbar nach Bileams Ankunft brachte Balak ihn zu einem Ort, von dem er das Volk Israel überblicken konnte. „Und am Morgen nahm Balak den Bileam und führte ihn hinauf nach Bamot-Baal, dass er von dort den äußersten Teil des Volkes überblicken konnte.“(4. Mose 22,41)

Aber Balaks Plan ging nicht auf: Bileam wurde von Gott angewiesen Israel zu segnen, was er auch tat. „Wie soll ich verfluchen, den Gott nicht verflucht? Siehe, ein Volk, das abgesondert wohnt ... mein Ende werde wie ihr Ende!“ (4. Mose 23,8-10)

Balak, wütend über Bileams Segensspruch, wiederholte seine Vorgehensweise, änderte aber den Blickwinkel: „Komm doch mit mir an einen andern Ort, von wo aus du gerade sein äußerstes Ende siehst, aber nicht ganz Israel, und verfluche es mir von dort.“ (4. Mose 23,13) Aber auch dort konnte Bileam Israel nur segnen: „Gott ist nicht ein Mensch, ... dass ihn etwas gereue ... er hat gesegnet, und ich kann's nicht wenden.Man sieht kein Unheil in Jakob ...Daher hilft kein Zaubern gegen Jakob ...“(4. Mose 23,19-23)

Man beachte, was Balak tat: Er zeigte Bileam nie das ganze Bild, sondern nur „den äußersten Teil“ Israels. Er erlaubte Bileam nur den äußersten Rand Israels zu sehen, nie das gesamte Lager. Die Frage ist: Was genau sah Bileam dort? Es mag überraschen, aber die Bibel sagt uns, was er wahrscheinlich gesehen hat.

 

Der äußerste Rand des Lagers

Das Wort Gottes gibt uns detaillierte Informationen über das, was am Rande, dem Außenbereich des Lagers, vor sich ging. In 3. Mose 13,46 befahl Gott, dass Aussätzige „außerhalb des Lagers“ wohnen sollten. Dort wurden auch Kriminelle und Gotteslästerer zu Tode gesteinigt (3. Mose 24,14; 4. Mose 15,35). Dort wohnten die Unreinen (4. Mose 5,3) und im Falle eines Kriegs diente der Außenbereich des Lagers der Armee als Latrine. Man stelle sich vor, was Bileam sah, als er auf das „äußerste Ende des Lagers“ blickte: unreine Menschen, Aussätzige, Steinigungen und höchstwahrscheinlich permanent Toilettengänge. Es muss unangenehm ausgesehen haben und war daher leicht zu verfluchen.

Für Bileam muss es sogar noch erstaunlicher gewesen sein, dass Gott nicht gewillt war ein so unangenehm aussehendes Volk zu verfluchen. Als Bileam durch den Heiligen Geist prophezeite „man sieht kein Unheil in Jakob und keine Mühsal in Israel“, mag er sich gewundert haben, über wen Gott spricht: „Ist das wirklich das Volk, das ich hier sehe?“

 

Das Gesamtbild

Als Bileam sich anschickte ein drittes Mal zu prophezeien, hatte er verstanden, dass es ein aussichtsloses Unterfangen war, Israel zu verfluchen. Gott war ganz offensichtlich entschlossen Israel zu segnen. Das Volk Gottes musste etwas an sich haben, das er nicht sehen konnte. Also versuchte Bileam das Gesamtbild zu sehen. „Als nun Bileam sah, dass es dem HERRN gefiel, Israel zu segnen, ging er nicht wie bisher auf Zeichen aus, sondern ... hob seine Augen auf und sah Israel, wie sie lagerten nach ihren Stämmen. Und der Geist Gottes kam auf ihn.“(4. Mose 24,1-2)

Was für ein wunderbarer Anblick muss sich ihm geboten haben. Die zwölf Stämme Israels lagerten in perfekter Ordnung: jeweils drei Stämme Richtung Osten, Süden, Westen und Norden, das Banner jedes Stammes ausgerichtet auf die Mitte des Lagers. Ein innerer Kreis von Zelten blieb den levitischen Sippen Kehat, Gershon und Merari vorbehalten und in der Mitte des Lagers stand die Stiftshütte: bedeckt von der Wolkensäule bei Tag und der Feuersäule bei Nacht. Als Bileam dies sah, kam der Geist Gottes auf ihn und er rief aus: „Wie fein sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel!“ Nun verstand er Gottes Plan mit Israel und erklärte: „Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dich verflucht!“ (4. Mose 24,5+9)

 

Ein geistliches Schlachtfeld

Diese Geschichte hat ein enormes Anwendungspotential für uns, da Satan dieselbe Vorgehensweise heute verfolgt. Kleine Vorkommnisse in Israel schaffen es mit unglaublicher Leichtigkeit in die Weltmedien. Vor wenigen Wochen blickten die Vereinten Nationen wieder einmal auf Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, eine Nation mit einer freieren und vielfältigeren Medienlandschaft als die meisten anderen Nationen der Welt, eine Nation, die in globalen Krisensituationen mehr Hilfe leistet als die meisten anderen Länder und die die Wüste in einen Garten Eden verwandelt hat.

Aber an diesem Tag wurde Israel von den UN nicht für seine Führungsrolle gelobt, sondern acht Mal verurteilt. In einem ganzen Jahr wurde gegen Länder wie Nordkorea, Syrien, Iran und andere insgesamt nur eine Resolution verabschiedet. Gegen Israel richteten sich acht an einem Tag! Sicherlich ist Israel kein perfektes Land; viele Probleme müssen noch gelöst werden. Aber Angesichts der Tatsache, dass er von Staaten und Gruppen umgeben ist, die rund um die Uhr seine Vernichtung planen, geht es dem jüdischen Staat erstaunlich gut, besser sogar als vielen westlichen Demokratien. 

Warum ist die Welt so besessen von Israel? Welche andere Erklärung könnte es geben als die, dass tatsächlich finstere geistliche Mächte die Gemüter dazu bringen, so wie Bileam nur auf den „Außenbereich des Lagers“ zu blicken. Das Wort Gottes lehrt uns, dass geistliche Mächte über Nationen und Regionen herrschen. Der Prophet Daniel erlebte dies als während seiner Gebetszeit Engel mobilisiert wurden und er eine Offenbarung erhielt über einen „Fürsten von Persien“ und einen „Fürsten von Griechenland“, die über mächtige Reiche herrschten (Daniel 10,13+20). Auch Paulus schreibt: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“(Epheser 6,12)

So wie Balak (der Zerstörer) Bileam lenkte und manipulierte, nur auf den „Außenbereich“ des Lagers zu blicken und das Volk Gottes zu verfluchen, lenken auch diese bösen, zerstörerischen Mächte die Gedanken von Entscheidungsträgern heutzutage (Epheser 2,1-3). Unlogische Entscheidungen werden getroffen, entgegen den gesunden Menschenverstand, aber erstaunlicherweise werden sie von der Mehrheit der Nationen begrüßt. Die „Siedlungen“, die vielerorts echte Orte der Koexistenz von Juden und Arabern geworden sind, in denen palästinensische Arbeitskräfte dasselbe verdienen wie ihre israelischen Kollegen und davon oft ganze Familien ernähren, werden als „Hindernisse für den Frieden“ bezeichnet. Wenn Israel sich gegen Raketensalven aus dem Gazastreifen verteidigt, wird es als Aggressor verurteilt. Warum? Weil das Gesamtbild den Entscheidungsträgern oft vorenthalten wird.

Auf diese Weise geht auch Satan in der Gemeinde und unter Gläubigen vor. Wir alle haben unsere „Randprobleme“: Bereiche unseres Lebens, die unvollkommen sind. Das ist der Fall für jeden Einzelnen und auch für die Gemeinde insgesamt. Keiner von uns ist perfekt, und es gibt auch keine perfekte Gemeinde. Im Gegenteil: Johannes sagt, wenn wir vorgeben perfekt zu sein, betrügen wir uns selbst und machen Gott zum Lügner (1. Johannes 1,8-10). Aber diese „Randprobleme“ in unserem Leben und im Leben anderer sind genau die Bereiche, die Satan uns gerne in Erinnerung ruft. Er hebt die Mängel unserer Gemeinde, die Mängel unserer Pastoren und unserer Brüder und Schwestern hervor. Er deutet mit dem Finger auf die „Randprobleme“ unseres Ehepartners und unserer Kinder und ermutigt uns dazu, sie aufgrund dessen zu verurteilen. Bei diesen „Randproblemen“ zu verweilen und ihnen in unserem Denken und Urteilen Raum zu geben, kann zu Gemeindespaltungen oder Familienzerwürfnissen führen. Statt zu segnen, verfluchen wir und verursachen Spaltungen.

 

Gottes Sichtweise

Mich fasziniert wie Gott seine Sichtweise durch den Heiligen Geist und durch Bileam erklärt: „Man sieht kein Unheil in Jakob und keine Mühsal in Israel. Der HERR, sein Gott, ist bei ihm, und es jauchzt dem König zu.“ (4. Mose 23,21) Das ist eine sehr erstaunliche Aussage, wenn man bedenkt, dass Bileam auf den Ort blickte, an dem Aussatz, Unreinheit und Sünde zu finden war. Noch erstaunlicher ist es, dass die vorangehenden Kapitel kein Volk beschreiben, in dem es keine Ungerechtigkeit oder Boshaftigkeit gegeben hätte, sondern ein Bild von einem murrenden Volk zeichnen (4. Mose 11). Die Bibel berichtet von Familienoberhäuptern, die Mose angreifen (4. Mose 16) und sogar von Aaron und Miriams Angriff auf ihren Bruder (4. Mose 12). Sie zeigt ein Volk, das sich weigert ins Gelobte Land zu ziehen (4. Mose 13-14) und das ungeduldig gegenüber Gott und Mose ist. Bileam hätte genügend Anlass gefunden, um Israel zu verfluchen. Aber trotz allem erklärt Gott: „Man sieht kein Unheil in Jakob“ und „wie fein sind deine... Wohnungen, Israel!“

Diese göttliche Sichtweise übersteigt menschliche Logik. Ich kann es mir nur mit dem erklären, was Tag für Tag in der Stiftshütte geschah, inmitten des Zeltlagers. Zweimal täglich opferten die Priester ein makelloses Lamm (2. Mose 29,38-45). Es heiligte das Heiligtum und ermöglichte es Gott „unter seinem Volk zu wohnen“. Es ist das Blut, das für unsere Sünden sühnt und sie vor Gottes Blick zudeckt (3. Mose 17,11; Hebräer 9,12). Wenn du also gläubig bist und dein Vertrauen auf Jesus setzt, erklärt das Wort Gottes, dass Jesus dein Lamm ist. Wir sind gerecht gemacht durch sein Blut. So sieht der Himmel uns und so sollten wir einander sehen. Mit dem Wissen, dass wir selbst in Jesus Vergebung für all unsere Mängel erhalten haben, müssen wir auch unsere Brüder und Schwestern ebenso sehen.

 

Den Segen suchen

Bileams Geschichte wird im Neuen Testament wiederholt als Beispiel dafür verwendet, was in den letzten Tagen passieren wird. Wir tun gut daran, diese Warnungen zu Herzen zu nehmen und entsprechend zu handeln. Das mag nicht nur großen Schaden abwenden, sondern kann, sofern wir richtig handeln, auch neuen Segen über unser Leben, unseren Gemeinden und Nationen freisetzen – auch über Israel. Wenn wir auf einander und auf Israel blicken bete ich, dass wir die Perspektive des Himmels wählen und mit Gott bekennen: „Wie lieblich sind deine Zelte, Jakob!“

 

Praktische Anleitungen, um die Pläne des „Verwüsters” zu bekämpfen:

1.       Gebet

Eins unserer mächtigsten Werkzeuge ist das Gebet. Leidenschaftliches Gebet kann die Atmosphäre in einer Familie, Gemeinde und sogar einer Nation verändern. Daniels dreiwöchiges Gebet und Fasten beeinflussten zu seiner Zeit die Himmelswelt (Daniel 10). Zielgerichtetes und beharrliches Gebet der Gläubigen kann die feindliche Atmosphäre eines Landes, das auf die Fehler und Mängel Israels (und der Gemeinde) blickt und sie hervorhebt, verändern. Beharrliches Gebet kann den Geist des Antisemitismus und des Antiisraelismus brechen.

2.       Wahrheit

Wenn Israels Feinde seine Fehler und strittige Themen hervorheben, müssen wir umso mehr mutig die Wahrheit verkünden. In der Offenbarung lesen wir, dass sie den Teufel „...durch das Wort ihres Zeugnisses...“ überwanden (Offenbarung 12,11). Wenn Sie einen unausgewogenen, einseitigen Zeitungsartikel über Israel lesen, kontaktieren Sie die Zeitung und zeigen Sie das Gesamtbild auf, das „ganze Lager“. Berichten Sie von Israels wunderbarem Beitrag für die Welt und den Nahen Osten und bitten Sie die Zeitung, beim nächsten Mal ausgewogener zu berichten. Dasselbe gilt für die politische Einstellung Ihrer Nation. Wenn Sie in einem Land leben, das politischen Dialog ermutigt, schreiben Sie Ihre Volksvertreter an und teilen Sie ihnen Ihre Meinung mit. Schließen Sie sich einer Solidaritätsaktion in Ihrer Stadt an oder organisieren Sie eine.

3.       Liebe

Dies gilt insbesondere für den Umgang innerhalb der Gemeinde. Petrus trifft eine erstaunliche Aussage: „Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn ‚Liebe deckt der Sünden Menge zu‘“ (1. Petrus 4,8). Eine Atmosphäre der Liebe und Vergebung wird Gottes wohlwollenden Blick auf seine Gemeinde lenken und so seinen Segen anziehen. Natürlich müssen Sünden beim Namen genannt werden und wir werden ermutigt, unsere Brüder und Schwestern zu warnen. Aber das muss in Liebe und mit Erbarmen geschehen, genau wie auch Gott jedem Einzelnen von uns Barmherzigkeit zeigt.