Der Streit um Zion

Jerusalem-Entscheidung des US-Präsidenten sorgt für Aufruhr

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Posted on: 
12 Dez 2017 (All day)
Der Streit um Zion

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, endlich Jerusalem als die Hauptstadt Israels anzuerkennen und die amerikanische Botschaft dorthin zu verlegen, war sehr mutig und längst überfällig. Die Jerusalem-Frage ist das Herzstück der historischen und nationalen Identität des jüdischen Volkes. Sie steht auch im Mittelpunkt des Mandats der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem. Diese wurde als Akt christlicher Solidarität mit dem jüdischen Volk und seiner tiefen Verbundenheit zu Jerusalem gegründet.

Erleichterung statt Euphorie

Die Reaktion vieler Israelis auf diese amerikanische Entscheidung war mehr von Erleichterung als von Euphorie geprägt. In Zeiten, in denen die Vereinten Nationen ständig die jüdische Verbindung zu Jerusalem leugnen, tat es ihnen einfach gut, dass jemand ihre besondere Beziehung zu dieser Stadt bestätigte. Immer und immer wieder werden sie mit dem bizarren Vorwurf konfrontiert, Jerusalem zu „judaisieren“. Manche halten es sogar für ein „Kriegsverbrechen“, wenn eine jüdische Familie in Ostjerusalem einen Balkon an ihr Wohnhaus anbaut. Deshalb war es tröstlich für die Israelis, dass das Staatsoberhaupt einer Weltmacht ihrer uralten Verbundenheit zu dieser Stadt empathisch und ruhig Nachdruck verlieh.

Enttäuschung und Zorn

Die Palästinenser reagierten auf Trumps Erklärung größtenteils enttäuscht, wobei es scheint, dass viele sich damit abgefunden hatten, dass es eines Tages sowieso passieren würde. Trotzdem verliehen palästinensische und arabisch/muslimische Politiker ihrem Zorn Ausdruck und drohten damit, den Botschaftsumzug durch gewalttätige Proteste und vielleicht sogar Schlimmeres scheitern zu lassen. Manche meinen offensichtlich, ihre Verehrung Jerusalems nur durch Blutvergießen beweisen zu können.

Rivalisierende Ansprüche

Das Hauptproblem besteht darin, dass der historisch begründete jüdische Anspruch auf Jerusalem durch rivalisierende Ansprüche zweifelhaften Ursprungs in Frage gestellt wird. Zu letzteren gehört auch ein nationalistisches Anrecht der Palästinenser auf die Stadt. Sie behaupten, dass Jerusalem die Hauptstadt ihres Staates sei bzw. werden müsste. Ein religiös begründeter Anspruch wird zudem von Muslimen erhoben, die geltend machen, dass der Haram al-Scharif (der Tempelberg) die drittheiligste Stätte des Islam sei und daher ausschließlich ihnen gehöre. Beide Behauptungen sind über die Jahre so oft wiederholt worden, dass Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt ihnen glauben.

Muslimische Verehrung Jerusalems

Muslimische Gelehrte weisen jedoch darauf hin, dass die muslimische Verehrung Jerusalems politisch begründet sei und erst mehrere Jahrzehnte nach Mohammeds Tod ihren Anfang nahm. Damals verlor die Omaijaden-Dynastie, die in Damaskus herrschte, die Kontrolle über Mekka und beschloss, Jerusalem zu einem Pilgerort für Muslime zu erheben. Um dies begründen zu können, brachten sie die mystische Nachtreise des Propheten mit der gerade neu errichteten Al-Aksa-Moschee in Verbindung, die auf dem Tempelberg stand. Doch viele Muslime haben diese Bestimmung zum Pilgerort als eine spätere Hadith (Tradition) des Islam zurückgewiesen. Wissen sie doch, dass die Al-Aksa-Moschee zu Mohammeds Lebzeiten noch gar nicht existierte und dass Mohammed Jerusalem den Rücken zuwandte, als bestimmt wurde, dass von nun an gen Mekka gebetet werden sollte. Darüber hinaus findet Jerusalem kein einziges Mal im Koran Erwähnung.

Palästinensische Aspirationen

Unterdessen belegen glaubwürdige Berichte aus den 1920er Jahren, dass der palästinensisch-nationalistischen Anspruch auf Jerusalem von bestimmten Vertretern des britischen Mandats in die Welt gesetzt wurde. Sie waren gegen den Zionismus eingestellt und versuchten, die Umsetzung der Balfour-Erklärung zu verhindern. Diese britischen Antisemiten verliehen dem lokalen Araberführer Hadsch Amin al-Husseini den hochtrabenden Titel des Großmuftis von Jerusalem und verwandelten den Felsendom in das Symbol der neuen palästinensisch-nationalistischen Bewegung. Der Mufti landete schließlich in Berlin, wo er Hitlers Kampagne des Völkermords gegen die Juden unterstützte. Gleichzeitig veröffentlichte allerdings die muslimische Verwaltungsbehörde Wakf, die für den Felsendom zuständig war, Reiseführer, die „unumstritten“ anerkannten, dass das Gebäude auf dem früheren Standort des Tempels Salomos errichtet worden war.

Globale Bedeutung Jerusalems

Natürlich kann man nicht ignorieren, dass Jerusalem heute für Milliarden Gläubige auf der ganzen Welt große historische und religiöse Bedeutung hat. Doch diese weltweite Verehrung Jerusalems hat ihren Ursprung im jüdischen Volk und seiner engen spirituellen Verbundenheit mit dieser Stadt. Ohne diese grundlegende göttlich-inspirierte Verbindung zwischen den Juden und Jerusalem hätte sich sonst niemand um diese entlegene Stadt im judäischen Bergland gekümmert.

Historische und biblische Quellen

Die Bibel selbst erwähnt Jerusalem viele hundert Male. Historiker haben antike griechische und römische Schriften durchforscht, die alle Jerusalem als eine „jüdische Stadt” und „Hauptstadt der Juden” bezeichnen. In den vielen Jahrhunderten ihres Exils sehnten sich die Juden immer danach, in die Stadt Jerusalem zurückzukehren und ihre vergangene Pracht wieder herzustellen. Seit sieben Jahrzehnten dient Jerusalem nun wieder als Hauptstadt Israels; auch wenn sie bedrohlich von Feinden umzingelt war und die Nationen dieser Welt sich weigerten, sie als solche anzuerkennen. Diese beharrliche Treue zu Jerusalem hat erneut bewiesen, wie wichtig diese Stadt für das jüdische Volk ist.

Geistlicher Konflikt

Dennoch sollte es uns nicht überraschen, dass ein schwerer weltweiter Konflikt über das jüdische Anrecht an Jerusalem entbrannt ist. Die Bibel sagt deutlich voraus, dass eines Tages ein großer „Rechtsstreit“ über Zion unter allen Nationen ausbrechen werde (Jesaja 34,8, siehe auch Sacharja 12,2+3). Doch Gott wird ihn dadurch schlichten, dass er „seinen König weiht auf Zion, seinem heiligen Berg!" (siehe Psalm 2,6) Diese Verse beziehen sich auf die Segenszeit, in welcher der Messias kommen wird, um den Thron seines Vaters David zu besteigen. Dieser wird unzweifelhaft auf dem Berg Zion in Jerusalem stehen (Jesaja 2,1-4; 9,7; 16,5; 24,23; Jeremia 31,6; Joel 3,17; Micha 4,1-7; Sacharja 8,3; Lukas 1,32; Offenbarung 14,1).

Erschütterung der Nationen

Die Bibel prophezeit auch, dass vor dem Kommen des Messias ein anderer den Thron für sich beanspruchen werde, ein falscher Messias oder Antichrist (Matthäus 24:5; 2. Thessalonicher 2,1-12; 1. Johannes 2,18, 4,3; Offenbarung Kapitel 11 bis 20). Aus diesen Schriftstellen geht hervor, dass auch eine Falschbehauptung über den tatsächlichen Standort des Thrones in Jerusalem erhoben wird. Wie dies alles mit den aktuellen konkurrierenden Ansprüchen auf Jerusalem und den Tempelberg zusammenhängt, ist noch nicht klar ersichtlich. Doch wir können bereits erkennen, wie ein solcher Rechtsstreit über Zion die Macht hat, alle Nationen zu erschüttern.

In der Zwischenzeit muss sich jede einzelne Nation entscheiden, ob sie in der Jerusalem-Frage eine biblische Position einnehmen will oder nicht. Letztlich geht es darum, ob die Ehrfurcht vor Gott und seinem Wort überwiegt oder die Menschenfurcht.

Heilsgeschichtliche Bestimmung
Seit Beginn des Jahres 2017 hat uns Gott darauf hingewiesen, dass über Jerusalem in unserer Zeit ein besonderer Zyklus des Jubeljahres wirksam ist. Alle 50 Jahre passiert etwas Dramatisches, das die Stadt immer weiter in ihre prophetische Bestimmung eintreten lässt. Seit Monaten verkünden wir, dass Jerusalem dieses Jahr im Rahmen dieses Zyklus eine weitere Freisetzung erleben werde; diese Freisetzung scheint jetzt eingetreten zu sein. Präsident Trump hat eine geopolitische Entscheidung getroffen, doch sie signalisiert auch eine Veränderung in der geistlichen Welt. Die Folgen dieser Entscheidung können wir noch nicht absehen. Wir wissen auch noch nicht, wie lange sie sich hinziehen werden. Doch wir sind überzeugt, dass Jerusalem seiner heilsgeschichtlichen Bestimmung einen großen Schritt näher gekommen ist und dass diese Veränderung eine enorme Auswirkung auf die weltweite christliche Gemeinde haben wird.