Iran greift US-Armeestützpunkte im Irak an

ICEJ-Nachrichten vom 08. Januar 2020

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Posted on: 
8 Jan 2020
Iran greift US-Armeestützpunkte im Irak an

Der Iran hat am heutigen Mittwochmorgen mit mehr als einem Dutzend ballistischer Raketen zwei amerikanische Armeestützpunkte im Irak angegriffen. Aktuellen Angaben der USA zufolge wurde dabei niemand verletzt, iranische Medien meldeten, rund 80 US-Soldaten seien getötet worden. Es ist der erste direkte Angriff des Irans auf die USA seit Erstürmung der US-Botschaft in Teheran 1979. Er folgte auf die gezielte Tötung des Kommandeurs der Quds-Brigaden, Qasem Soleimani, am 3. Januar durch eine US-Drohne. Berichten der New York Times zufolge hatte der iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei zuvor explizit einen Vergeltungsschlag gegen die USA angeordnet, der von iranischen Streitkräften und nicht durch pro-iranische Terrormilizen durchgeführt werden sollte. Während der Beerdigung Soleimanis am Dienstag drohte der Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) Hussein Salami indirekt Israel. Israelische und jüdische Einrichtungen weltweit haben ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Israelischen Medien zufolge hält die israelische Militärführung allerdings einen Vergeltungsschlag des Irans auf Israel für wenig wahrscheinlich. Wenige Stunden nach dem iranischen Raketenangriff auf die US-Stützpunkte stürzte ein ukrainisches Passagierflugzeug nahe Teheran ab. Einen Zusammenhang zwischen dem Absturz und dem Raketenfeuer wollte die ukrainische Regierung am Mittwoch nicht ausschließen, sie warnte aber vor Spekulationen.

Hintergrund: Wer war Qasem Soleimani?

Qasem Soleimani war Befehlshaber der Quds-Brigaden, einer Eliteeinheit der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC), die sich auf unkonventionelle Kriegsführung spezialisiert hat. Durch die aktive Unterstützung von Terrororganisationen baute er den iranischen Einfluss im Nahen Osten aus. Einschätzungen von Experten zufolge war er ein Schützling des obersten geistlichen Führers Irans, Ayatollah Ali Khamenei, und habe allein dessen Befehl unterstanden. Bei einer Rede vor Kommandeuren der Revolutionsgarden im Oktober 2019 pries Soleimani seine Erfolge, die Ziele der sogenannten islamischen Revolution vorangetrieben und das Einflussgebiet der IRGC vom Südlibanon bis nach Syrien und in den Irak ausgeweitet zu haben.

Während des Libanonkriegs 2006 zwischen Israel und der schiitisch-libanesischen Terrormiliz Hisbollah hielt er sich im Libanon auf, um die Kampfhandlungen zu „beaufsichtigen“. Er sei dabei in täglichem Kontakt mit dem Regime in Teheran gestanden und zusammen mit Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah einem Anschlag durch die israelische Luftwaffe entgangen, behauptete er 2019 in einem Fernsehinterview. Der israelischen Armee zufolge unterstützte die IRGC auf Befehl Solemanis die Hisbollah in den letzten Monaten bei der Umrüstung ihres Raketenarsenals zu präzisionsgesteuerten Waffen. Wiederholt kam es zu Luftangriffen auf Waffentransporte, Depots und Militärstützpunkte der IRGC und pro-iranische Milizen in Syrien und dem Irak, für die Israel verantwortlich gemacht wurde. Soleimani unterstützte auch die sunnitischen palästinensischen Terrororganisationen Hamas und Palästinensischer Islamischer Dschihad mit Waffenlieferungen.

In Syrien baute er schiitische Milizen auf, die während des syrischen Bürgerkriegs das Assad-Regime in Damaskus unterstützten. Im Irak sind ebenfalls von ihm initiierte pro-iranische Milizen aktiv, unter anderem die Volksmobilmachungskräfte (PMF). Beobachter machen diese Milizen für viele der rund 500 getöteten Demonstranten während der andauernden Proteste im Irak verantwortlich. Medienberichten zufolge waren sie an der versuchten Stürmung der US-amerikanischen Botschaft in Bagdad am 29. Dezember 2019 beteiligt. Bei dem Drohnenangriff am Freitag auf Soleimani wurde auch der Kommandeur der PMF getötet.

Foto: Iranische Fahne, Rakete

 

Fünf Tote bei Unwetter in Israel

In Israel haben am Wochenende stürmisches Winterwetter und starke Regenfälle vier Todesopfer gefordert. Am Samstag ertranken in Tel Aviv ein Mann und eine Frau (beide 25) in einem Aufzug einer Tiefgarage, der sich mit Wasser gefüllt hatte. Am Sonntag und Montag gab es in Nordisrael zwei Todesopfer (72 und 47). Beide wurden in ihren Fahrzeugen auf überflutetem Gelände von starken Strömungen weggerissen. Am heutigen Mittwoch traf erneut ein Sturm das Land und verursachte weitere Überflutungen. In Nahariya starb ein Mann (38) bei dem Versuch, Insassen eines in den Fluten festsitzenden Fahrzeugs zu retten. Der Zugverkehr nördlich von Haifa musste eingestellt werden. Auf den Golanhöhen wurden Schulen aufgrund starken Schneefalls geschlossen.

 

New York: Zehntausende marschieren gegen Antisemitismus

Zehntausende Amerikaner sind am Sonntagmorgen in New York auf die Straße gegangen, um gegen die zunehmende Gewalt gegen Juden zu demonstrieren. Initiatoren waren mehrere jüdische Organisationen. Die Zeitung The New York Times rief ihre Leser zur Teilnahme auf: der Marsch sei „eine Gelegenheit für Menschen aller Glaubensrichtungen und Lebenswege der jüdischen Gemeinde in New York ihre Unterstützung zu zeigen”, schrieb die Zeitung. 2019 verzeichnete die Polizei im Großraum New York, in dem über 1,5 Millionen Juden leben,  mit 234 antisemitische Straftaten - über die Hälfte aller Hassdelikte (428) – einen Anstieg im Vergleich zu 2018, als 186 antisemitische Straftaten gemeldet wurden. Seitdem am 10. Dezember zwei Attentäter drei Menschen in einem koscheren Supermarkt in Jersey City töteten, ist es in der Metropole zu vermehrten Gewalttaten gegen Juden gekommen: Während der Feierlichkeiten zum jüdischen Lichterfest Chanukka am 28. Dezember verletzte ein Attentäter fünf Juden mit einer Machete; in Brooklyn wurden Ende Dezember zahlreiche orthodoxe Juden auf der Straße verbal und auch körperlich angegriffen. Vier jüdische Lokalpolitiker haben den Gouverneur des Staats New York, Andrew Cuomo, aufgefordert, den Notstand auszurufen: „Es ist nicht mehr sicher, sich im Staat New York als orthodoxer Jude zu erkennen zu geben.“

 

Israel, Griechenland und Zypern vereinbaren Gas-Pipeline

Israel, Griechenland und Zypern haben am Donnerstag ein Abkommen unterzeichnet, das den Bau einer 2.000 km langen Pipeline von Israels Küste bis nach Italien vorsieht. Die „EastMed“-Pipeline soll nach ihrer Fertigstellung jährlich bis zu zwölf Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Israel und Zypern an Europa liefern. „Dies ist ein großer Tag für Israel“, freute sich Premierminister Benjamin Netanjahu über das Abkommen, das die „israelische Wirtschaft stärken“ werde. Die Vereinbarung erfolgte inmitten einer angespannten Situation im östlichen Mittelmeerraum, nachdem die Türkei in einem bilateralen Abkommen mit Libyen Seegrenzen neu definiert und dabei Ansprüche Griechenlands ignoriert hatte. Die Türkei behauptet, dass die türkisch-gestützte Republik Nordzypern, die international nicht anerkannt wird, Anspruch auf die Gasreserven in den Gewässern vor der gesamten Insel habe. Der griechische Energieminister Kostis Hatzidakis lobte die „EastMed”-Pipeline als ein „Projekt des Friedens und der Kooperation“, angesichts „türkischer Drohungen”. Die griechische Wirtschaftszeitung Kathimerini berichtete vergangene Woche, die Regierungen in Athen und Nikosia hätten auf die Vereinbarung gedrängt, um möglichen „Versuchen des türkischen Nachbarn, das Projekt zu stoppen, entgegenzuwirken“.