Israel: Weitere Einschränkungen, Netanjahu in Quarantäne

ICEJ-Nachrichten vom 31. März 2020

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31 Mär 2020
Israel: Weitere Einschränkungen, Netanjahu in Quarantäne

Die israelische Regierung hat am Montag weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen. Versammlungen von mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum sind ab sofort verboten. Dies gilt auch für Gebetsversammlungen im Freien. Eine Ausnahme ist die Klagemauer, an der täglich zu drei bestimmten Zeitpunkten eine einzige Gruppe von zehn Betern zusammenkommen darf, unter Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands. Beerdigungen dürfen maximal 20 Personen, Beschneidungen maximal zehn Personen beiwohnen. Der Tempelberg ist für alle Besucher, auch jüdische und muslimische, geschlossen. Arbeitgeber wurden angewiesen, nur noch 15% ihrer Arbeitnehmer vor Ort einzusetzen. Jeder Arbeitnehmer, der am Arbeitsplatz erscheint, muss dem Arbeitgeber täglich Angaben zu seiner Körpertemperatur und verdächtigen Symptomen melden. In Israel stieg die Zahl der bestätigten Fälle auf 4831, 18 Menschen sind inzwischen gestorben.

Foto: ICEJ, Archivbild

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu befindet sich zurzeit in häuslicher Quarantäne, nachdem seine parlamentarische Beraterin positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Bei Netanjahu, seiner Familie und seinen Mitarbeitern fielen die ersten Tests negativ aus. Aktuell wartet er auf weitere Anweisungen des Gesundheitsministeriums. In einer Fernsehansprache rief Netanjahu die jüdische Bevölkerung dazu auf, des Passah-Fest, das am Abend des 8. April beginnt, nur im engsten Familienkreis zu feiern. Medienberichten zufolge erwägt die Regierung, am ersten Tag des Passahfests, der traditionell mit einem gemeinschaftlichen Seder-Abend gefeiert wird, eine landesweite Ausgangssperre zu verhängen.

 

Fortschritte bei den Koalitionsverhandlungen

Der amtierende Premierminister Benjamin Netanjahu und sein Herausforderer Benny Gantz haben in einer gemeinsamen Erklärung am Sonntag bestätigt, bei ihren Gesprächen zur Bildung einer Einheitsregierung seien „entscheidende Fortschritte“ erzielt worden. Vor einer endgültigen Vereinbarung stehen jedoch noch weitere Gesprächstermine an. Es wird erwartet, dass die vier Abgeordneten der links-liberalen Parteien Gescher und Arbeitspartei sich der Koalition anschließen werden. Am Sonntag wechselte eine Abgeordnete von Jair Lapids Partei Yesh Atid zu Gantz‘ Partei Chosen LeIsrael.Zwei weitere Abgeordnete von Mosche Ja‘alons Telem-Partei sollen ebenfalls planen, die Seite zu wechseln. Dann würden dem Mitte-Links Lager um Benny Gantz 22 Abgeordnete angehören, das konservativ-religiöse Lager um Benjamin Netanjahu hätte 58 Mandate. Aktuellen Berichten zufolge sollen die Ministerposten paritätisch unter den beiden Lagern verteilt werden. Abgeordnete der nationalreligiösen Partei Jamina haben bereits mit einem Ende der Zusammenarbeit gedroht, sollte Netanjahu dem zustimmen.

Gantz: „Nicht die Zeit für Rivalitäten“

Gantz hatte sich am Donnerstag überraschend zum neuen Knesset-Sprecher wählen lassen und damit den Bruch seines Blau-Weiß-Bündnisses herbeigeführt. Zahlreiche Medienkommentatoren bezeichneten seine Entscheidung, eine Einheitsregierung mit Netanjahu einzugehen, als „politischen Selbstmord“. Sie gehen davon aus, dass Gantz damit seine liberale Wählerschaft verlieren wird. Jedoch glauben viele an Gantz‘ Aufrichtigkeit, das Wohl Israels vor seine eigene politischen Zukunft zu stellen. Gantz selbst begründete seine Entscheidung damit, dass Israel sich in einer Notsituation befinde, verursacht durch das Coronavirus, die zu erwartende Wirtschaftskrise und den andauernden politischen Stillstand. Eine Zusammenarbeit mit Netanjahu, die er während der drei letzten Parlamentswahlen kategorisch abgelehnt hatte, sei angesichts der Corona-Krise erneuten Wahlen vorzuziehen. „Dies ist nicht die Zeit für Rivalitäten. Dies ist die Zeit für verantwortungsvolle, staatsmännische, patriotische Führung“, erklärte er.

Gebetsanliegen: Bitte beten Sie mit uns für die laufenden Koalitionsverhandlungen. Beten wir, dass eine Einigung erzielt wird und das Israel endlich eine handlungsfähige Regierung erhält, die die aktuellen und künftigen Herausforderungen angehen wird.

 

Coronavirus: Ultraorthodoxe Juden besonders betroffen

Ultraorthodoxe jüdische Gemeinden in Israel und weltweit sind besonders von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Nicht bestätigten Medienberichten zufolge sind rund die Hälfte der Infizierten, die in israelischen Krankenhäusern behandelt werden, ultraorthodoxe Juden. Es wird befürchtet, dass die enge Gemeinschaft und Solidarität, die die jüdische Religionsausübung charakterisiert, die Verbreitung des Virus begünstigt hat. Zudem gestaltet sich aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in ultraorthodoxen Wohngebieten und Städten die Isolierung von Infizierten und Kontaktpersonen oft schwierig. In kleinen Wohnungen leben oft mehrere Generationen einer zumeist kinderreichen Familie. Zudem verstößt trotz der Mahnungen einflussreicher Rabbiner eine Minderheit von ultraorthodoxen Gruppierungen wiederholt gegen das von den Behörden verhängte Versammlungsverbot. So sollen am Sonntag Hunderte an einer Beerdigung in Bnei Brak, einem ultraorthodoxen Vorort Tel Avivs, teilgenommen haben. In Bnei Brak ist bei rund einem Drittel der auf das Coronavirus getesteten Einwohner eine Infektion bestätigt worden. Das israelische Gesundheitsministerium erwägt nun, über die Stadt und andere ultraorthodoxe Wohngebiete im Land eine totale Ausgangssperre zu verhängen. Innenminister Arye Deri, Vorsitzender der sephardisch-ultraorthodoxen Schas-Partei, ist inzwischen beauftragt worden, die Einhaltung der Vorschriften in den ultraorthodoxen Gemeinschaften zu forcieren. Am Montag ordnete er die Vorbereitung mehrerer Hotels im Land an, um ultraorthodoxe Juden, die an leichten Symptomen leiden, besser isolieren zu können.

Jüdische Diaspora betroffen, antisemitische Vorfälle nehmen zu

Auch außerhalb Israels sind ultraorthodoxe Gemeinden schwer betroffen. In New York City, wo rund 1,5 Millionen Juden leben, warnen Behörden vor der rasanten Ausbreitung im Stadtteil Brooklyn, in dem es große ultraorthodoxe Gemeinden gibt. Das Oberhaupt der chassidischen Satmar-Bewegung, Rabbi Aaron Teitelbaum, wurde inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet. Medien berichten zudem von einem Anstieg antisemitischer Vorfälle und Verschwörungstheorien. In sozialen Netzwerken seien Juden u.a. beschuldigt worden, das Coronavirus erschaffen oder auch verbreitet zu haben. In der Stadt Goshen im US-Bundesstaat New York weigerte sich ein Mitarbeiter einer Autowerkstatt, einen ultraorthodoxen Kunden zu bedienen, da „Juden den Virus verbreiten“ würden.

Gebetsanliegen: Bitte beten Sie mit uns, dass der Gott Israels seine schützende Hand über das jüdische Volk in der Diaspora hält. Beten wir, dass die Behörden entschieden gegen antisemitische Verschwörungstheorien und Hetze vorgehen.

 

 

Chanukka-Anschlag in Monsey: Opfer (72) erliegt Verletzungen

Josef Neumann, ein 72-jähriger ultraorthodoxer Jude, der am 29. Dezember 2019 bei einem antisemitischen Angriff in Monsey (US-Bundesstaat New York) schwer verletzt wurde, ist am Sonntag seinen Verletzungen erlegen. Während einer Feier zum jüdischen Chanukka-Fest war ein antisemitischer Attentäter in das Haus eines Rabbiners eingedrungen und hatte insgesamt fünf Menschen mit einer Machete verletzt. Neumann erlitt u.a. schwerste Kopfverletzungen und lag seitdem im Koma. Er hinterlässt sieben Kinder, mehrere Enkel und einen Urenkel. Der Angriff ereignete sich inmitten einer Serie von weiteren antisemitischen Anschlägen und Übergriffen in New York und New Jersey. 2019 verzeichnete die Polizei im Großraum New York, in dem über 1,5 Millionen Juden leben, 234 antisemitische Straftaten. 2018 waren dort 186 antisemitische Straftaten gemeldet worden.

 

 

See Genezareth: Höchster Stand seit 16 Jahren

Der Wasserpegel von Israels wichtigstem Frischwasserreservoir, dem See Genezareth, befindet sich auf den höchsten Stand seit 16 Jahren. Das berichtete die Times of Israel vergangene Woche. Der Pegel befindet sich 47,5 Zentimeter unterhalb seiner oberen „Roten Linie“, dem Wasserstand, bei dem der See über die Ufer treten würde. Kurz bevor diese „Rote Linie“ erreicht wird, würde ein Damm geöffnet werden, um den kontrollierten Abfluss in den Jordanfluss zu ermöglichen. Starke Regenfälle im Winter ließen den Wasserstand stark ansteigen. Seit Januar ist der Pegel um 2,63 Meter gestiegen. Zwar geht die Regenzeit nun zu Ende, jedoch führt die Schneeschmelze auf den Golanhöhen, die noch mehrere Wochen andauern könnte, zu einem stetigen Anstieg des Wasserstands. Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Dammöffnung bei 50%. Noch 2018 hatte die israelische Wasserbehörde davor gewarnt, dass der See Genezareth auszutrocknen drohe.

 


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