Israelis bereiten sich auf Jom Kippur vor

ICEJ-Nachrichten vom 08. Okober 2019

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Posted on: 
8 Okt 2019 (All day)
Israelis bereiten sich auf Jom Kippur vor

Am heutigen Dienstagabend beginnt der heiligste jüdische Feiertag Jom Kippur, der Versöhnungstag. Zehntausende Beter werden an der Klagemauer in Jerusalems Altstadt erwartet. Mit Fasten und Gebet bitten Juden um göttliche Vergebung für die Sünden des vergangenen Jahres. Jom Kippur findet zehn Tage nach dem jüdischen Neujahrsfest statt und bildet den Abschluss der dazwischen liegenden zehn Tage der Reue und Umkehr zu Gott. Nicht nur religiöse Israelis verzichten während des 25 Stunden dauernden Fastens auf Essen und Trinken und nutzen den Tag zum Gebet oder für eine intensive Prüfung ihres Lebens. Das öffentliche Leben in Israel steht still, jüdische Restaurants und Geschäfte bleiben geschlossen, die Straßen sind nahezu autofrei mit Ausnahme von Krankenwagen. Nachdem Israel 1973 von Ägypten und Syrien überraschend an Jom-Kippur angegriffen wurde, gibt es „stilles Radio und Fernsehen“. Die Sender sind den ganzen Tag stumm, können aber im Ernstfall ohne Einschalten Meldungen senden. (Foto: Mark Neyman/GPO)

 

Netanjahu: Kooperation mit Russland entscheidend

„Wir sind umgeben von großen Herausforderungen, aber es besteht eine wichtige Kooperation und Koordination mit Russland. Das ist entscheidend für uns und wir werden diese fortführen.“ Das erklärte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am Montag nach einem Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump seine Absicht bekanntgegeben, US-Streitkräfte aus Nordost-Syrien abzuziehen. Im Nahen Osten wird befürchtet, dass dieser Schritt einen Angriff türkischer Truppen auf die Kurdenmiliz YPG in Gebieten entlang der syrisch-türkischen Grenze bedeuten könnte. Die Kurden waren wichtige Verbündete der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat. Die Türkei lehnte die Allianz ihres NATO-Partners USA mit den Kurden ab. Ankara sieht die YPG als Teil der kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei, die sie als Terrorgruppe eingestuft hat – ebenso wie Washington und die EU.

Reaktionen auf US-Rückzug aus Syrien

Obwohl Israel die Ankündigung Trumps offiziell nicht kommentierte, gehen israelische Medienvertreter davon aus, dass Trumps Pläne in Jerusalem große Sorge hervorrufen. Die Entscheidung müsse „im Kontext der vom Iran unterstützten Angriffe letzten Monat auf saudische Ölanlagen gesehen werden“, auf welche die USA nicht reagiert hätten, schreibt Herb Keinon in der Jerusalem Post. Deshalb müsse Israel bereit sein, sich selbst und alleine zu verteidigen. Seth J. Frantzman kommentiert ebenfalls in der Jerusalem Post: „Die US-Entscheidung, die Tür für eine türkische Invasion in Ostsyrien zu öffnen, wird von US-Partnern in Syrien als Verrat betrachtet, besonders von vielen Kurden.“ Dass die USA unzuverlässig würden und ihre Verbündeten im Stich ließen, sei die einhellige Meinung vom Irak über Ägypten bis zu den Golfstaaten. Auch Jerusalem befürchte, dass der Rückzug der USA in Syrien und möglicherweise bald auch im Irak und in Afghanistan den Einfluss des Iran in der Region stärke. Für Israel würde das bedeuten, dass der Feind seinen Grenzen näher rückt.

 

Tagesspiegel fordert Iran-Sanktionen wegen Israel-Drohungen

„Offen und immer wieder droht Teheran, Israel auszulöschen. Und wie so oft, bleibt die deutsche Reaktion vage. Es muss praktische Schritte geben.“ Das schrieb Stephan-Andreas Casdorff, einer der Herausgeber der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“, in einem Kommentar am Mittwoch. Er forderte Deutschland auf, sich mit der EU und den USA dafür einzusetzen, dass härtere Sanktionen gegen das menschenverachtende iranische Regime verhängt würden. „Wann ist die EU, voran Deutschland, bereit, sich einzugestehen, dass Beschwichtigungsversuche nicht weiterführen?“ fragte Casdorff. Anfang Oktober hatte Hossein Salami, neuen Oberbefehlshaber der Iranischen Revolutionsgarden, auf einer Konferenz erklärt, Israels Auslöschung sei kein „Traum“ mehr, sondern wegen des technischen Fortschritts seines Landes ein „erreichbares Ziel“. Das Auswärtige Amt hatte die Aussagen Salamis „aufs Schärfste“ kritisiert und als „israel-feindliche Äußerungen“ bezeichnet, nicht als antisemitisch. Das berichtete die Jerusalem Post am Montag. Seit dem Atomabkommen 2015 seien nur in wenigen Kommentare großer deutscher Zeitungen Iran-Sanktionen gefordert worden.

 

Korruptionsverdacht: Anhörung im Fall Netanjahu beendet

Am Montag ist die viertägige Anhörung wegen Korruptionsverdachts gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu beendet worden. Israels Generalstaatsanwalt Avichai Madelblit hörte die Argumente der Anwälte Netanjahus an und wird bis spätestens 15. Dezember 2019 entscheiden, ob wegen Bestechung, Untreue und Betrug Anklage gegen Netanjahu in drei Fällen erhoben werden soll. In dem auch als „Bezeq-Affäre“ bezeichneten Fall 4000 wird untersucht, ob Netanjahu seinen Einfluss genutzt hat, um die Telekommunikationsgesellschaft Bezeq zu unterstützen. Im Gegenzug soll die Walla-Nachrichtenwebseite, die zu dem Konzern gehört, positiv über Netanjahu berichtet haben. Außerdem wird ihm die Annahme teurer Geschenke und versuchte politische Einflussnahme zugunsten der Zeitung Jediot Aharonot vorgeworfen. Netanjahu wies die Vorwürfe stets als haltlos zurück.

 

Zypern: israelische Ärzte retten gebärender Frau das Leben

Vier israelische Kardiologen aus dem Sheba Medical Center in Tel HaShomer (Ramat Gan) haben einer 29-jährigen Frau aus Nikosia in Zypern das Leben gerettet, die bei der Geburt ihres Kindes schwere Herzprobleme erlitt. Wie aus dem Facebook-Post des Sheba Medical Centers am Sonntag hervorgeht, benötigten die zyprischen Ärzte dringend eine ECMO-Maschine (extrakorporale Membranoxygenierung), um dem Blut der Patientin künstlich Sauerstoff zuzuführen und so Herz und Lunge zu entlasten. Da sie kein solches Gerät zur Verfügung hatten, baten sie im Sheba Medical Center um Notfallhilfe. Nur sieben Stunden später landeten vier israelische Kardiologen mit einer ECMO-Maschine in Zypern, stabilisierten dort die Patientin und brachten sie in die Kardiologie nach Tel HaShomer, wo ihre Regeneration gut voranschreitet.

 

Rivlin fordert schnelle Regierungsbildung

Bei der Vereidigung der 120 Abgeordneten der 22. Knesset (israelisches Parlament) hat Israels Staatspräsident Reuven Rivlin am Donnerstag zu einer schnellen Regierungsbildung aufgerufen. „Wir befinden uns ineiner Krise, einem Notstand für die Sicherheit Israels und der israelischen Gesellschaft, einem Notstand für die israelische Demokratie“, erklärte Rivlin. „Eine Regierung zu bilden, ist nicht nur der Wunsch der Bürger. In Zeiten wie diesen ist es ebenso von wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Bedeutung.“ Er forderte ebenso wie Knesset-Sprecher Juli Edelstein die Bildung einer Einheitsregierung von Premier Netanjahus Likud-Partei und dem Blau-Weiß-Bündnis des ehemaligen Generalstabschefs Benny Gantz. Eine breite Regierung biete die Chance, Unstimmigkeiten beiseite zu legen und für die Bürger Israels, für seine Wirtschaft und seine Sicherheit zusammenzuarbeiten. Einer Tradition zum heiligsten jüdischen Feiertag Jom Kippur folgend bat Rivlin alle Israelis um Vergebung, „die ich durch meine Worte, meine Taten und Unterlassungen verletzt habe“ und wünschte allen ein gutes neues Jahr.