Israelische Luftwaffe übt erstmals in Deutschland

ICEJ-Nachrichten vom 18. August 2020

DruckversionSend by email
Posted on: 
18 Aug 2020
Israelische Luftwaffe übt erstmals in Deutschland

Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe sind am Montag zum ersten Mal in der Geschichte in Deutschland gelandet. Die Israelis werden gemeinsam mit ihren Kollegen aus Deutschland und anderen NATO-Mitgliedstaaten zwei Wochen lang an Militärübungen teilnehmen. Die deutsche Luftwaffe war bereits mehrmals an gemeinsamen Übungen in Israel beteiligt. „Nach dem Menschheitsverbrechen der Schoah ist es ein bewegendes Zeichen unserer heutigen Freundschaft, dass wir erstmals in unserer Geschichte Seite an Seite mit der israelischen Luftwaffe fliegen", sagte Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der deutschen Luftwaffe. Am heutigen Dienstag überflogen israelische und deutsche Kampfjets gemeinsam den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. 1972 wurden dort beim Olympia-Attentat von München neun der elf als Geiseln genommenen israelischen Athleten von palästinensischen Terroristen ermordet. Darauf folgte ein Überflug über die KZ-Gedenkstätte Dachau. Neben Gerhartz und Amikam Norkin, Chef der israelischen Luftwaffe, nahm auch die erste Flugstaffel-Kommandeurin Israels an dem Überflug teil. Eine deutsch-israelische Delegation gedachte im Beisein von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem israelischen Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, in dem ehemaligen Konzentrationslager der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden. Am Abend ist eine Gedenkveranstaltung im ehemaligen Olympischen Dorf in München geplant.

Foto: IAF/Screenshot, Israelische und deutsche Kampfflugzeuge überfliegen die KZ-Gedenkstätte Dachau, 18.08.2020

Diplomatische Beziehungen: Israelis in Abu Dhabi erwartet

Eine größere Delegation der israelischen Regierung wird Ende der Woche in Abu Dhabi erwartet. Jossi Cohen, Chef des israelischen Geheimdiensts Mossad, traf bereits am Montag zu Gesprächen mit Regierungsvertretern der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) dort ein. Israel und die VAE hatten vergangene Woche die Aufnahme diplomatischer Beziehungen angekündigt. Die VAE werden damit das dritte arabische Land sein, das Israel anerkennt und offizielle Beziehungen zum jüdischen Staat unterhält. Für die Vereinbarung mit den VAE, die durch Vermittlung der USA erfolgte, hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zugestimmt, die geplante Annexion von Gebieten in Judäa und Samaria aufzuschieben. Als erstes Zeichen der neuen freundschaftlichen Beziehungen gaben die VAE am Sonntag die Telefonleitungen nach Israel und den Zugang zu israelischen Nachrichtenwebseiten frei. Zudem gab Netanjahu am Montag bekannt, dass es bereits Gespräche über eine direkte Flugverbindung mit den VAE durch den saudi-arabischen Luftraum gebe. Israels Wirtschaftsministerium erwartet infolge der Aufnahme diplomatischer Beziehungen einen Zuwachs des Werts israelischer Exporte in die VAE von derzeit ca. 250.000 Euro auf bis zu 250 bis 420 Millionen Euro im Jahr. Im Gegenzug ist davon auszugehen, dass die VAE in Israel bis zu 300 Millionen Euro jährlich investieren könnten. Besonders von der Zusammenarbeit profitieren würden Cyberindustrie, Medizingerätehersteller, sowie die Bereiche Finanztechnologie und Kommunikation. Auch aus sicherheitspolitischer Sicht ist das Abkommen der beiden Staaten bedeutungsvoll, da die VAE wie auch Israel den wachsenden Einfluss des Iran und seiner Verbündeten in der Region als Bedrohung ansehen.

Reaktionen im Nahen Osten auf Israel-VAE-Beziehungen

Politiker und Regierungen im Nahen Osten haben unterschiedlich auf die Ankündigung Israels und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), diplomatische Beziehungen aufzunehmen, reagiert. Ägypten, Jordanien, Oman und Bahrain begrüßten die Ankündigung. Israels Geheimdienstminister Eli Cohen sagte am Sonntag, er erwarte, dass Oman und Bahrain demnächst ebenfalls diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen werden. Die beiden Golfstaaten haben dies bisher nicht bestätigt. Saudi-Arabien hat sich bislang noch nicht öffentlich zu der Ankündigung vom Donnerstag geäußert. Beobachter gehen davon aus, dass das Land in naher Zukunft zwar keine diplomatischen Beziehungen zu Israel aufnehmen, jedoch die inoffiziellen Beziehungen zum jüdischen Staat vertiefen wird. Die Palästinenserführung verurteilte die Normalisierung der Beziehungen der beiden Länder als „verachtungswürdige Entscheidung“ und als einen „Verrat am palästinensischen Volk, an Jerusalem und Al-Aksa“. Saeb Erekat, PLO-Generalsekretär und Chefunterhändler der Palästinenserführung, bezeichnete das Abkommen als einen „Dolchstoß“. Es zerstöre „jede Möglichkeit eines Friedens zwischen Palästinensern und Israelis“, sagte Erekat. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte mit der Schließung der türkischen Botschaft in den VAE. Der iranische Präsident Hassan Rouhani bezeichnete die Aufnahme diplomatischer Beziehungen als eine „verräterische Handlung“ und warnte die VAE vor einer „gefährlichen Zukunft“. Der Golf-Kooperationsrat, dem sechs arabische Golfstaaten angehören, verurteilte daraufhin die Drohungen des Iran gegen die VAE.

Libanons Präsident lehnt Frieden mit Israel nicht ab

Der libanesische Staatspräsident Michel Aoun hat angedeutet, Friedensgespräche mit Israel nicht grundsätzlich abzulehnen. In einem Interview mit dem französischen Fernsehsender BFMTV am Samstag wurde Aoun gefragt, ob die Möglichkeit eines libanesisch-israelischen Friedensabkommens bestünde. Aoun entgegnete: „Das kommt darauf an. Wir haben Probleme mit Israel und wir müssen diese erst einmal lösen.“ Auf die Frage, wie er über die Annäherung der Vereinigten Arabischen Emirate an Israel denke, entgegnete Aoun, die VAE seien ein „unabhängiges Land”. Aoun, maronitischer Christ, gilt als enger Verbündeter der vom Iran unterstützten schiitisch-libanesischen Terrororganisation Hisbollah, die die Vernichtung Israels will. Israel und der Libanon befinden sich seit 1948 offiziell im Krieg. Libanesen ist jeglicher Kontakt zu Israel oder Israelis verboten.

Terror in Südisrael: Feuerballons, Raketenbeschuss

Terroristen aus dem von der islamistischen Terrororganisation Hamas beherrschten Gazastreifen haben am Montag mit Feuerballons rund 20 Brände in Südisrael verursacht. Ein Feuerballon landete auf dem Gelände eines Kindergartens in der südisraelischen Stadt Sderot. Der Brand konnte gelöscht werden, es entstand geringer Sachschaden. Seit dem 6. August haben Feuerballons aus dem Gazastreifen mehr als 170 Brände in Südisrael verursacht und dabei große Flächen, darunter Naturschutzgebiete und Agrarland, zerstört. Am Wochenende feuerten Terroristen aus dem Gazastreifen zwei Raketen auf Sderot, die vom israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen wurden. Herunterstürzende Trümmerteile beschädigten ein Wohnhaus. Eine Person wurde leicht verletzt. Zudem kam es am Wochenende zu gewaltsamen Protesten am Grenzzaun. Palästinenser setzten Autoreifen in Brand und warfen Sprengsätze und Handgranaten gegen den Zaun. Die israelische Luftwaffe und Panzereinheiten der Armee reagierten auf den andauernden Feuer- und Raketen-Terror mit dem Beschuss von Stellungen der Hamas im Gazastreifen. Außerdem hat Israel Kerem Schalom, den einzigen Warenübergang in den Gazastreifen, schließen lassen. Ägyptische Vermittlungsversuche vom Montag blieben Medienberichten zufolge ohne Ergebnis.

Tausende Palästinenser besuchen Israels Mittelmeerküste

Tausende Palästinenser aus dem Westjordanland (Judäa und Samaria), überwiegend Familien, haben Anfang August illegal den Sicherheitszaun nach Israel passiert und israelische Küstenstädte besucht. Medienberichten zufolge duldeten israelische Sicherheitskräfte und Behörden dies stillschweigend. Nachdem einzelne Palästinenser den Zaun überquert hatten, ohne von der israelischen Armee aufgehalten zu werden, verbreitete sich die Kunde davon rasch in den Palästinensergebieten. Israelisch-arabische Taxi- und Busunternehmen beförderten hunderte Familien vom israelischen Sicherheitszaun in die Küstenstädte Jaffa, Herzlija, Haifa und Netanja. Augenzeugen berichteten, israelische Soldaten hätten den Palästinensern vereinzelt geholfen, u.a. indem sie abends mit ihren Militärfahrzeugen den Weg zurück zu den Zaunöffnungen leuchteten. Beobachter vermuten, dass Israel damit auf die Ankündigung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), jegliche Koordination mit Israel zu beenden - einschließlich der Einreise von Palästinensern nach Israel, reagiert hat. Mit dem gewährten illegalen Grenzübertritt für tausende Palästinenser scheint Israel zu signalisieren, dass die PA die Situation nicht im Griff habe. Seit vergangener Woche ist der inoffizielle „Grenzübergang“ wieder geschlossen.


ICEJ-Nachrichten per E-Mail abonnieren