Israels Führung in Quarantäne

ICEJ-Nachrichten vom 02. April 2020

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Posted on: 
2 Apr 2020
Israels Führung in Quarantäne

Premierminister Benjamin Netanjahu, Yossi Cohen, der Chef des israelischen Geheimdiensts Mossad, Meir Ben-Shabbat, Berater für Nationale Sicherheit, und leitende Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sind derzeit in häuslicher Quarantäne. Vor kurzem hatten sie noch Kontakt zu Israels Gesundheitsminister Jakov Litzman, der am heutigen Donnerstag positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Netanjahu hatte erst am Mittwoch die häusliche Quarantäne verlassen. Seine parlamentarische Beraterin, die er zuletzt vor vierzehn Tagen getroffen hatte, war positiv auf das Virus getestet worden. Da Litzman vergangene Woche an einer Knesset-Sitzung teilnahm, werden zurzeit die Aufnahmen der Überwachungskameras der Knesset geprüft, um weitere Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Generalstabschef Aviv Kochavi und weitere hochrangige Generäle befinden sich ebenfalls in Isolation, nachdem sie Kontakt mit einem infizierten Offizier gehabt hatten. Kochavis Test fiel negativ aus. In Israel stieg die Zahl der bestätigten Infektionen auf 6.211, die Zahl der Todesfälle auf 31.

Foto: GPO/Haim Zach, Archivbild, Premierminister Benjamin Netanjahu (1.v.l.) und Gesundheitsminister Jakov Litzman (2.v.r.)

Ultraorthodoxe Kleinstadt drängt Coronavirus zurück

Die westlich von Jerusalem gelegene ultraorthodoxe Kleinstadt Kirjat Jearim hat den Coronavirus-Ausbruch erfolgreich zurückdrängen können. Noch vor zwei Wochen hatte die Stadt die höchste Infektionsrate im Land, rund ein Drittel der 6.000 Einwohner befand sich in Quarantäne. Wie die Jerusalem Post am Mittwoch berichtete, befinden sind nun noch rund 100 Personen in Isolation, in den letzten sieben Tagen gab es keine neuen bestätigten Fälle. Bürgermeister Jitzhak Ravitz erklärte gegenüber der Jerusalem Post, die Eindämmung sei einer kompromisslosen Ausgangssperre und einer umfangreichen Aufklärungskampagne zu verdanken. Dabei erhielt er auch die Unterstützung des Rabbiners der Stadt, der sich freiwillig in häusliche Quarantäne begab, um anderen ein Vorbild zu sein. Feierlichkeiten anlässlich des jüdischen Feiertags Purim im Februar gelten als die Ursache der rasanten Ausbreitung in Kirjat Jearim. Die Stadtverwaltung ließ daraufhin die 22 Synagogen im Ort schließen. „Das erinnerte mich an dunklere Zeiten in der Geschichte des jüdischen Volkes“, sagte Ravitz. „Aber ich wusste, es musste getan werden.” Auch der Supermarkt wurde geschlossen, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und freiwillige Helfer lieferten bestellte Lebensmittel an die Haushalte und verteilten Bücher, DVDs und CDs, um den Kindern die Ausgangssperre zu erleichtern.

Israel: Drei Covid-19-Impfstoffe in der Testphase

Israelische Wissenschaftler und der Magen David Adom haben Fortschritte bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen gemeldet: Derzeit befinden sich drei potentielle Impfstoffe in der Testphase. Dr. Chen Katz, Leiter der Biotechnologie-Gruppe von MIGAL(Galilee Research Institute) in Kiryat Schmona, sagte gegenüber der Jerusalem Post, die Produktion der aktiven Bestandteile des Impfstoffes - die Proteine - werde in den nächsten Tagen abgeschlossen sein. Aktuell teste man den Impfstoff an Mäusen, nachdem die Tests an Geflügel erfolgreich verlaufen waren. Tests an Menschen werden voraussichtlich Anfang Juni beginnen. Um dies zu ermöglichen, ist MIGAL zeitgleich zur Entwicklung in andauerndem Kontakt mit den entsprechenden Regulierungsstellen. 

Verteidigungsforscher gegen Coronavirus

Das Israelische Institut für Biologische Forschung (IIBR), ein Regierungsinstitut für Verteidigungsforschung in Nes Ziona, befindet sich ebenfalls in der Testphase eines Covid-19-Impfstoffs. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hatte im Februar angeordnet, dass sich das IIBR, dessen Forschungsarbeit üblicherweise strengster Geheimhaltung unterliegt, der Entwicklung eines Impfstoffs anschließt. Eran Zahavy, Innovationsleiter des IIBR, erklärte, das Institut habe seinen Fokus auf den Kampf gegen das Coronavirus gerichtet. Der entwickelte Impfstoff soll in Kürze an Nagetieren getestet werden.

Magen David Adom: Passivimpfung mit Blutplasma

Der Magen David Adom (Roter Davidstern) will das Blutplasma gesund gewordener Patienten zur Behandlung schwerer Covid-19-Fälle einsetzen. Man geht davon aus, dass diese Antivirus-Proteine oder Antikörper in ihrem Blut tragen, mit denen Erkrankte zunächst per Transfusion behandelt werden könnten. In der zweiten Phase will man ein Antikörper(Immunoglobulin)-Konzentrat herstellen. Das israelische Gesundheitsministerium führt bereits Gespräche mit zwei möglichen Herstellern. Israels erster genesener Patient spendete am Mittwoch erstmals Plasma. Da Patienten erst 14 Tage nachdem sie negativ auf das Virus getestet wurden Plasma spenden dürfen, konnte erst jetzt mit dem ersten Versuch begonnen werden. Prof. Eilat Shinar von Magen David Adom erklärte, weitere Spender würden voraussichtlich nach Pessach zur Verfügung stehen.

Israelische Wissenschaftler empfehlen periodische Ausgangssperren

Wissenschaftler vom Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rehovot und ein israelischer IT-Ingenieur des Unternehmens Applied Materials haben ein mathematisch-epidemiologisches Modell entwickelt, mit dem die Volkswirtschaft während der Corona-Krise am Leben erhalten werden kann. Das meldete das Institut am Dienstag auf seiner Webseite. Dieses Modell sieht vor, dass zwei Tage gearbeitet wird, gefolgt von fünf Tagen Ausgangssperre. So würde die Ausbreitung des Virus verlangsamt und gleichzeitig die Wirtschaft in Gang gehalten. Zwar würde es länger dauern, bis das Virus vollständig eingedämmt sei, dennoch würden Infizierte das Virus durchschnittlich an weniger als eine Person übertragen. Ohne jegliche Ausgangssperre überträgt ein Infizierter das Virus im Durchschnitt an zwei oder mehr Personen. Noch effektiver seien vier Tage Arbeit, gefolgt von zehn Tagen Ausgangssperre. Sollte sich jemand während der Arbeitstage anstecken, so würden die Symptome während der Zeit der Ausgangssperre auftreten. Der Neuerkrankte müsste die darauffolgenden Arbeitstage in Isolation verbringen. Den Berechnungen zufolge würde nach mehreren dieser Kreisläufe die Zahl der Infizierten drastisch zurückgehen, erklärte Prof. Uri Alon. Das Konzept sieht außerdem vor, dass die Gesamtbevölkerung, mit Ausnahme gefährdeter Personen und Menschen in Quarantäne, während der Arbeitswoche einem weitgehend normalen Alltag nachgehen kann - unter Einhaltung strenger Hygieneauflagen. Auch Schulen und Kindertagesstätten wären in Betrieb. Die Zeit der Ausgangssperre könnten Behörden wiederum nutzen, um öffentliche Räume zu desinfizieren und Tests durchzuführen. Die Wirtschaftsleistung würde bei 40% liegen, wodurch mehr Arbeitsplätze erhalten blieben. In Israel sind inzwischen mehr als eine Million Menschen arbeitslos gemeldet (Stand Mittwoch), die höchste Zahl in der Geschichte des modernen jüdischen Staats. Die Arbeitslosenquote beträgt 24%, noch vor einem Monat befand sie sich auf einem Rekordtief von unter 4%.

 

Covid-19: Christlich-arabischer Busfahrer genesen

Ein christlich-arabischer Busfahrer aus Ostjerusalem, Israels erster schwer erkrankter Covid-19-Patient, ist am Montag gesund aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der 38-Jährige war Anfang März mit hohem Fieber und Atemnot in das Poriya Medical Centerin Tiberias eingeliefert worden. Es wird vermutet, dass er sich bei einer Reisegruppe aus Griechenland, die später positiv auf das Virus getestet wurde, angesteckt hatte. Sein Zustand verschlechterte sich vorübergehend, er entwickelte eine Lungenentzündung, war bewusstlos und musste künstlich beatmet werden. Das Krankenhaus bestätigte, ihn mit Remdesivir, einem Medikament, das gegen Ebola-Infektionen entwickelt wurde, behandelt zu haben. „Es war der schwerste Monat meines Lebens“, sagte der 38-Jährige nach seiner Entlassung und erklärte, er freue sich sehr auf das Wiedersehen mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern.

 

Jesaja-62-Gebet: wöchentliche Videokonferenz gestartet

Am Mittwoch, den 1. April, haben Beter aus ganz Deutschland sowie Österreich und der Schweiz an der ersten Videokonferenzschaltung des Jesaja-62-Gebets der ICEJ teilgenommen. Christoph Scharnweber, ICEJ-Referent und Jesaja-62-Gebetskoordinator, leitete durch den Gebetsabend, dessen Teilnehmerzahl aus technischen Gründen auf 100 Personen beschränkt war. Die Beter machten sich eins, um für Israel, Deutschland und die ganze Welt in der aktuellen Corona-Krisensituation einzustehen und Gott um Erbarmen sowie sein mächtiges Eingreifen zu bitten. Auch für die jüngsten Entwicklungen in Israels Regierungsbildung wurde gebetet. In diesen Tagen, in denen viele Menschen isoliert zu Hause sind, empfanden die Beter das Online-Treffen als sehr ermutigend. Das ICEJ-Team freute sich über viele positive Rückmeldungen im Gruppenchat. Eine Beterin schrieb: „Das war echt klasse heute. Ich bin hier alleine und es war echt toll, mit euch vereint zu sein.“ Ein anderer Teilnehmer meinte: „Was für ein schönes Gebetstreffen, liebe ‚Familie‘ des Herrn Jeschua.“

Angesichts der aktuellen Situation wird das sonst monatliche Jesaja-62-Gebet der ICEJ bis auf weiteres jede Woche stattfinden. Jeden Mittwoch um 19:30 Uhr können Sie sich über die Internetplattform ZOOM dem Gebet zuschalten. Wir arbeiten daran, dass mehr als 100 Einwahlen möglich sind. Der nächste Termin ist Mittwoch, der 8. April. Freuen Sie sich auf eine Videobotschaft von Anatoli Uschomirski (edi) zum Passahfest, das am 8. April mit dem Sederabend beginnt. Auf unserer Webseite wird es in Kürze weitere Infos geben.

 


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