Netanjahu präsentiert Dokumente zu Irans Atomwaffenprogramm

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Posted on: 
3 Mai 2018 (All day)
Netanjahu präsentiert Dokumente zu Irans Atomwaffenprogramm

Am Montag hat der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu Dokumente präsentiert, welche die Entwicklung eines iranischen Atomwaffenprogramms zwischen 2003 und 2009 belegen. Bei der Unterzeichnung des Atomabkommens im Jahr 2015 mit den 5+1-Mächten (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) hatte der Iran geleugnet, an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet zu haben. Durch das Abkommen wurden die strikten Iran-Sanktionen gelockert. Das Video der Pressekonferenz Netanjahus (auf Englisch) wurde bereits mehr als 500.000 Mal über verschiedene soziale Medien angeschaut. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad war in einer Nacht im Januar 2018 in das Gebäude in Teheran eingebrochen, in dem die geheimen Unterlagen zum iranischen Atomwaffenprogramm gelagert wurden, und hatte eine halbe Tonne Dokumente und CDs nach Israel mitgenommen. Das Material wurde erst jetzt veröffentlicht, da es zunächst analysiert und aus dem Persischen übersetzt werden musste. (Foto: PMO)

Reaktionen

US-Präsident Donald Trump erklärte, die Enthüllung zeige, „dass ich 100% richtig lag“, das Atomabkommen mit dem Iran zu kritisieren. „Es ist eine inakzeptable Situation“, sagte Trump. Am 12. Mai will er entscheiden, ob die USA weiterhin am Atomabkommen mit dem Iran festhalten werden. Der Iran behauptete, Netanjahus Ausführungen seien nicht neu, voll haltloser Anschuldigungen und Propaganda gegen Irans Atomprogramm. Auch mehrere europäische Regierungen maßen der Präsentation keine große Bedeutung bei. Vieles sei bereits durch Berichte der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bekannt gewesen und man sei sich der Tatsache bewusst, dass der Iran hinsichtlich seines Atomprogramms gelogen habe, hieß es aus Europa.

Neue Informationen

Doch der spektakuläre Geheimdiensteinsatz Israels hat einige neue Informationen erbracht. So sind u.a. nun die fünf genauen Standorte bekannt, an denen der Iran Atomversuche durchführte. Dies kann den IAEA-Inspekteuren bei effektiveren Kontrollen helfen. Der Iran strebte an, fünf 10-Kilotonnen-Sprengköpfe herzustellen. Damit wird deutlich, dass auch das iranische Raketenprogramm, das vom Atomabkommen ausgeklammert wurde, verschärften Restriktionen unterliegen sollte. Angesichts der iranischen Lügen müssten zudem die automatischen Auslaufklauseln des Abkommens auf den Prüfstand gestellt werden. Am Wochenende sollen Vertreter aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland nach Israel reisen, um die von Netanjahu präsentierten Dokumente zu prüfen. Diese Möglichkeit bietet Israel auch Russland, China und der IAEA an.