Antisemitismus nimmt zu

Juden in Deutschland und weltweit fühlen sich allein gelassen

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Posted on: 
11 Mai 2020
Antisemitismus nimmt zu

75 Jahre nach dem Holocaust fühlen sich Juden in Deutschland nicht mehr sicher. Viele sehen sich angesichts des zunehmenden Antisemitismus allein gelassen und einige denken bereits über Auswanderung nach – Tendenz steigend. Medienberichten zufolge ist dies auf die empfundene Tatenlosigkeit von Politik und Gesellschaft zurückzuführen. So folgten auf antisemitische Vorfälle, wie z.B. den versuchten, jedoch gescheiterten Massenmord in der Synagoge in Halle (Saale) am Jom Kippur 2019, Verurteilungen und Beschwichtigungen, jedoch kein entschiedenes und vor allem wirkungsvolles Handeln.

Foto: Unsplash, Symbolbild

Die Lage in Europa

Auch in anderen europäischen Ländern fragt sich eine wachsende Zahl von Juden, ob sie in ihrem Land noch willkommen sind. Seit 2015 erschütterten zahllose Antisemitismus-Skandale die britische Labour-Partei. Immer wieder werden Juden in Frankreich Opfer antisemitisch motivierter Gewalttaten. Der Umgang von Politik, Medien und Justiz im Fall der 2017 ermordeten 65-jährigen Sarah Halimi sorgt bis heute für Kontroversen. Ein Berufungsgericht in Paris urteilte im Dezember 2019, der islamistische Attentäter habe zwar aus antisemitischen Motiven gehandelt, sei jedoch zum Tatzeitpunkt unzurechnungsfähig gewesen, da er Marihuana konsumiert hatte.

Beim Karnevalsumzug in Aalst (Belgien) im Februar 2020 sorgten antisemitische Darstellungen für weltweite Empörung. So wurden u.a. orthodoxe Juden als Insekten dargestellt. Bereits im Vorjahr forderten zahlreiche Kritiker ein Verbot antisemitischer Darstellungen, nachdem verstörende antisemitische Klischees bedient worden waren. Ein Verbot ist jedoch nicht in Sicht.

Zunehmender Antisemitismus in den USA

In den USA nimmt der Antisemitismus ebenfalls zu. In New York City, wo gut1,1 Millionen Juden leben, machten 2019 antisemitische Straftaten über die Hälfte aller Hassdelikte aus. Im Dezember starben bei einem antisemitischen Anschlag in Jersey City drei Menschen. Während einer Chanukka-Feier in Brooklyn verletzte ein Attentäter fünf Menschen mit einer Machete, einen von ihnen tödlich. „Es ist nicht mehr sicher, sich im Staat New York als orthodoxer Jude zu erkennen zu geben“, warnen jüdische Lokalpolitiker.

Digitale antisemitische Übergriffe

Auch in der Corona-Krise bleiben jüdische Organisationen, Schulen und Synagogen nicht von antisemitischen Übergriffen verschont. So störten Antisemiten am 20. April eine Videokonferenz der israelischen Botschaft in Berlin anlässlich des israelischen Holocaustgedenktages Jom HaSchoah, indem sie u.a. nationalsozialistische und pornografische Bilder zeigten und antisemitische und antiisraelische Slogans skandierten. Auch in anderen Ländern, wie den USA, Großbritannien und Argentinien ereigneten sich dutzende Angriffe auf Onlineveranstaltungen.

Steigende antisemitische Gewalt

In einem am 20. April 2020 veröffentlichten Bericht weist das Kantor-Zentrum der Universität Tel Aviv auf einen weltweiten Anstieg antisemitischer Gewalt um 18% im Vergleich zum Vorjahr hin. 122 der 456 bekannten Fälle ereigneten sich in Großbritannien, 111 in den USA. Deutschland und Frankreich verzeichneten jeweils 41, Australien 33 Gewaltakte. 37% der Handlungen richteten sich gegen Personen.

Verschwörungstheorien zu Covid-19

Dr. Mosche Kantor, Vorsitzender des European Jewish Congress(EJC), berichtete von einem erheblichen Anstieg antisemitischer Verschwörungstheorien seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Es handle sich um „Anschuldigungen, dass Juden hinter der Ausbreitung des Virus stünden oder direkt davon profitierten.“ Die Anschuldigungen seien eindeutig ein „Wiederaufleben mittelalterlicher Ritualmordlegenden.“

Zunehmende Wissenslücken, erschreckende Ansichten

Auch beim Holocaustgedenken gibt es besorgniserregende Entwicklungen. In Studien, die die Jewish Claims Conference (JCC) in den letzten zwei Jahren in Frankreich, Österreich, Kanada und den USA durchgeführt hatte, wussten über 50% der Befragten nicht, wie viele Juden im Holocaust ermordet wurden. Bei jungen Leuten lag der Anteil höher. Zudem waren 20% der französischen Millennials der Meinung, antisemitische Ansichten zu hegen sei akzeptabel.

In einer im Dezember und Januar in 16 europäischen Ländern durchgeführten Studie der Action and Protection League Europe (APLE) gab jeder fünfte Befragte an, dass eine „jüdische Verschwörung“ die Welt beherrsche. Außerdem stimmte ein Fünftel der Aussage zu, Juden würden den Holocaust für andere Zwecke ausnutzen.

Dem Antisemitismus entgegenwirken

Insbesondere nach dem Grauen des Holocaust sind dies erschreckende Entwicklungen in unserer Zeit, denen wir entgegenwirken müssen. Helfen Sie mit, unsere einzigartige christlich-jüdische Partnerschaft mit der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem zu fördern, um die Erinnerung an die Opfer und Überlebenden des Holocaust aufrecht zu erhalten und aktiv gegen den weltweit wachsenden Antisemitismus vorzugehen.

Bitte helfen Sie, würdiges Gedenken, Holocaust-Studien und den Kampf gegen Antisemitismus zu unterstützen. Als Verwendungszweck bitte „Yad Vashem“ angeben, herzlichen Dank!

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An vorderster Front im Kampf gegen Antisemitismus

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